Voltaire: Candide

Zusammenfassung

Patrick Bucher
3. März 2013

Voltaire, eigentlich François Marie Arouet, erzählt in seinem satirischen Schelmenroman Candide die Geschichte des gleichnamigen Titelhelden in dreissig kurzen Kapiteln.

1. Kapitel: Wie Candide in einem schönen Schloss erzogen und wie er von dort verjagt wurde

Der sanftmütige Jüngling Candide wächst im Schloss des westfälischen Barons von Thunder-ten-tronkh auf. Die Baronin wiegt ungefähr 350 Pfund und hat zwei Kinder: einen Sohn und die 17-jährige Tochter Kunigunde, die Candide sehr gefällt. Neben der Familie des Barons ist am Schloss auch der Philosoph Pangloss ansässig. Dieser beweist, dass jede Wirkung eine Ursache habe und das alles zu einem bestimmten Zweck – und darum natürlich zu seinem bestmöglichen Zweck – geschaffen sei.

Als Candide Kunigunde küsst und dabei erwischt wird, jagt ihn der Baron mit Fusstritten von seinem Schloss weg. Kunigunde kommt mit einigen Ohrfeigen der Baronin davon.

2. Kapitel: Was Candide bei den Bulgaren erlebte

Candide macht sich zu Fuss auf in die nächste Stadt. Als er unterwegs bei einem Wirtshaus eine Pause einlegt, bieten ihm zwei Männer eine Mahlzeit an. Es handelt sich um zwei Anwerber der bulgarischen Armee. Candide fällt auf den Trick herein und wird zum bulgarischen Regiment gebracht, wo er mit anderen Rekruten exerzieren muss. Da Candide dabei kaum Fehler unterlaufen, und er darum auch nur mit sehr wenigen Schlägen bestraft wird, halten ihn die anderen Rekruten bald für einen Helden.

Als Candide sich eines Tages für einen Spaziergang vom Regiment entfernt, wird er von vier nach ihm ausgesandten Soldaten gefangen genommen und ins Gefängnis geworfen. Candide darf sich für eine Strafe entscheiden: entweder 36 mal Spiessrutenlauf durch das 2’000-köpfige Regiment oder Erschiessung durch ein Dutzend Kopfschüsse. Candide entscheidet sich für den Spiessrutenlauf. Schon nach zwei Durchläufen gibt Candide auf und bittet um die Enthauptung. Der König der Bulgaren, der gerade zufällig vorbeikommt, hält Candide für einen Metaphysiker und begnadigt ihn. Candide wird von seinen Verletzungen geheilt und kann schon bald an einer Schlacht gegen die Abaren teilnehmen.

3. Kapitel: Wie Candide den Bulgaren entkam und was dann geschah

Bei der Schlacht zwischen den Bulgaren und den Abaren fallen auf beiden Seiten insgesamt über 10’000 Soldaten. Candide kann sich jedoch im Schlachtgetümmel verstecken und kommt unversehrt davon. Nach der Schlacht geht Candide in ein verwüstetes Dorf. Alle Gebäude sind niedergebrannt, die Menschen umgebracht. Überall liegen Gliedmassen herum, die Frauen wurden aufgeschlitzt. Candide besucht auch ein verwüstetes Dorf der anderen Seite – hier haben die Soldaten der Gegenseite gleichermassen gewütet.

Candide zieht weiter in die Niederlande und erbettelt sich das Nötigste fürs Leben. Als er bei einem Prediger, der den Papst für den Antichrist hält, um Brot bettelt, wird er von den Zuhörern verjagt. Als die Frau des Predigers erfährt, dass Candide nicht der Meinung sei, dass der Papst der Antichrist sei, entleert sie einen Nachttopf über Candides Kopf. Der Wiedertäufer Jakob nimmt sich Candides an und gibt ihm zu Essen. Jakob würde Candide sogar eine Anstellung in einer Fabrik verschaffen, wenn er das wolle. An einem der folgenden Tage trifft Candide einen mit Eiterbeulen überzogenen Bettler an, der mit jedem ausgesprochenen Wort einen Zahn ausspuckt.

4. Kapitel: Wie Candide seinen alten Lehrer der Philosophie wieder traf, den Doktor Pangloss, und was sich darauf ereignete

Candide überlässt dem Bettler seine letzten zwei Gulden, die er von Jakob bekommen hat. Der Bettler gibt sich zu erkennen: es handelt sich um den Philosoph Pangloss, mit dem Candide auf Schloss Thunder-ten-tronkh gelebt hat. Er erzählt vom Unglück, das über die Familie des Barons gekommen sei: Kunigunde sei von bulgarischen Soldaten vergewaltigt und aufgeschlitzt worden. Der Baron wurde umgebracht und in Stücke gehauen, auch die Baronin und der Bruder Kunigundes wurden abgeschlachtet. Das Schloss wurde dem Erdboden gleich gemacht. Die Abaren haben sich jedoch gerächt und seien mit einem bulgarischen Dorf ebenso verfahren.

Nun erzählt Pangloss von seiner eigenen Geschichte: er sei von Paquette, einem Kammermädchen der Baronin, mit der Seuche angesteckt worden. Diese habe die Krankheit über eine lange, bis auf Christoph Kolumbus zurückreichende Reihe von einem Franziskaner, einem Rittmeister, einer Marquise, einem Pagen und einem Jesuit erhalten. Pangloss glaubt, dass ihn seine Krankheit bald dahinraffen werde. Dennoch: die Seuche sei etwas unentbehrliches für die beste aller Welten!

Doch Candide möchte Pangloss nicht sterben lassen und bittet Jakob um Hilfe. Dieser kommt für Pangloss’ Heilung auf. Bei der Kur verliert Pangloss lediglich ein Auge und ein Ohr. Jakob ernennt Pangloss zu seinem Buchhalter und nimmt ihn und Candide mit auf eine Handelsreise nach Lissabon. Ihr Schiff gerät in ein gewaltiges Unwetter.

5. Kapitel: Sturm, Schiffbruch, Erdbeben, und was sich mit dem Doktor Pangloss, Candide und dem Wiedertäufer Jakob begab

Auf dem Schiff, das vom Sturm bereits arg in Mitleidenschaft gezogen worden ist, bricht ein Tumult aus. Ein Matrose gerät in Streit mit Jakob und wirft ihn über Bord. Candide möchte ihm nachspringen, um ihn zu retten. Doch Pangloss verhindert dies, indem er beweist, dass Jakob hier notwendigerweise sterben müsse. Candide, Pangloss und der Matrose sind die einzigen Überlebenden des Schiffbruchs.

In Lissabon ereignet sich ein Erdbeben, bei dem über 30’000 Menschen sterben. Der Matrose nutzt die günstige Gelegenheit und beginnt sogleich mit der Plünderung und ergattert dabei eine grössere Menge Geld. Dieses verbraucht er sogleich, um sich zu betrinken und sich mit einer Hure zu vergnügen.

Candide wird von herunterfallenden Steinen verletzt und verschüttet. Nach kurzem Räsonnieren hilft Pangloss Candide aus seiner Notsituation. Danach helfen die beiden bei der Bergung von Verletzten. Zum Dank für ihren Einsatz dürfen sie sich an einem Mahl satt essen. Dabei streitet sich Pangloss mit einem Mitglied des Inquisitionskollegiums über die Erbsünde und die Freiheit des Willens in der besten aller Welten.

6. Kapitel: Wie man zur Verhinderung der Erdbeben ein schönes Autodafé veranstaltete, und wie Candide ausgepeitscht wurde

Das verheerende Erdbeben hat über drei Viertel von Lissabon zerstört. Um weitere Erdbeben zu verhindern, wird ein «Autodafé» (eine feierliche Ketzerverbrennung) abgehalten. Neben einem Biskayer und zwei Portugiesen, die keinen Speck essen wollten, sollen auch Pangloss und Candide verbrannt werden. Pangloss wird jedoch «nur» erhängt, Candide kommt mit einigen Peitschenhieben davon. Die anderen drei «Ketzer» werden lebendig verbrannt.

Am gleichen Tag findet jedoch ein weiteres Erdbeben statt, das Autodafé scheint seine Wirkung verfehlt zu haben. Angesichts dieses Übels in der besten aller Welten – Candide hat Kunigunde, Jakob und Pangloss verloren – beginnt er sich zu fragen, wie es wohl erst in den anderen, schlechteren Welten aussehen könnte. Ein altes Weib findet Candide und fordert ihn auf mitzukommen.

7. Kapitel: Wie ein altes Weib Candide in seine Obhut nahm, und wie er wiederfand, was er liebte

Das alte Weib nimmt Candide mit zu sich nach Hause. Dort gibt sie ihm zu Essen, neue Kleider und ein Bett zum Schlafen. Seine Wunden pflegt sie mit einer Salbe. Candide wird noch einige Tage vom alten Weib versorgt. Eines abends führt sie Candide in ein goldenes Gemach, wo ihm schon bald eine junge Dame Gesellschaft leistet. Es handelt sich um Kunigunde. Als die Beiden sich erblicken, fallen sie in Ohnmacht.

Als das Weib die beiden wieder zu Bewusstsein bringt, erzählt Kunigunde Candide ihre Geschichte. Sie sei zwar von den bulgarischen Soldaten vergewaltigt und aufgeschlitzt worden, habe dies jedoch überlebt. Nun erzählt Candide seine Geschichte und vom Tod Pangloss’.

8. Kapitel: Kunigundes Geschichte

Kunigunde erzählt, wie die Soldaten ihre Eltern und ihren Bruder umgebracht haben, und wie sie vergewaltigt wurde. Ein bulgarischer Soldat habe ihr mit einem Messer in die Seite gestochen und sie, obwohl sie blutüberströmt da gelegen habe, vergewaltigt. Selbst als ein Hauptmann das Zimmer betreten hatte, fuhr der Soldat einfach fort. Diese Respektlosigkeit war dem Hauptmann zuviel: er brachte den auf Kunigundes Leibe liegenden Soldaten um. Kunigunde nahm er als Kriegsgefangene mit. Sie habe ihm einige Zeit als Köchin und Putzerin gedient, bis er sie an den Juden Don Isaschar verkaufte.

Dieser begehrte Kunigunde und brachte sie in sein Landhaus. Auch der Grossinquisitor habe Gefallen an Kunigunde gefunden. Er droht Don Isaschar damit, ihn bei einem Autodafé zu verbrennen, wenn er ihm Kunigunde nicht jede Woche für einige Tage überlassen wolle. Um diese Einschüchterung aufrecht zu erhalten, veranstaltete der Grossinquisitor tatsächlich ein Autodafé. Auch Kunigunde sollte diesem Schauspiel beiwohnen. Als sie den Erhängten als Pangloss wiedererkannte, sei sie in Ohnmacht gefallen. Beim Aufwachen habe sie den geschändeten Candide erkannt und das alte Weib darum gebeten, sich um ihn zu kümmern.

Nach Kunigundes Erzählung nehmen beide auf dem Sofa platz und beginnen mit dem Abendessen. Auf einmal tritt Don Isaschar in das Gemach ein.

9. Kapitel: Was mit Kunigunde, Candide, dem Grossinquisitor und einem Juden geschah

Don Isaschar, der Kunigunde schon mit dem Grossinquisitor teilen muss, möchte sie nicht auch noch mit Candide teilen müssen. Er greift den vermeintlich unbewaffneten Candide mit seinem Dolch an. Doch Candide hat einen Säbel, mit dem er den Juden zu Kunigundes Füssen niederstreckt. Die beiden fragen die Alte um Rat, was jetzt zu tun sei. In diesem Moment tritt der Grossinquisitor in das Gemach ein. Candide macht auch ihn mit einem Streich nieder, der Grossinquisitor kommt neben dem toten Juden zu liegen. Auf Vorschlag der Alten ergreifen die Drei auf alten Pferden die Flucht. Sie wollen in die Stadt Cadiz gelangen.

10. Kapitel: In welcher Bedrängnis Candide, Kunigunde und die Alte nach Cadiz gelangen und ihre Einschiffung

Als die drei Flüchtigen in einer Herberge Halt machen, werden sie von einem Franziskaner ausgeraubt. Die Alte schlägt vor, eines der drei Pferde zu verkaufen. Sie könne sich ja schliesslich ein Pferd mit Kunigunde teilen. Das Pferd wird also an einen Benediktiner verkauft.

Als Candide, Kunigunde und die Alte schliesslich in Cadiz eintreffen, wird dort gerade eine Flotte gerüstet. In Paraguay hätten Jesuiten einige Indianerstämme gegen Spanien und Portugal aufgewiegelt. Nun gelte es, diesen Jesuiten eine Lektion zu erteilen. Candide, der schon in der bulgarischen Armee gedient hat und Kriegserfahrung sammeln konnte, erhält sogleich das Oberkommando über die Infanterieeinheit und wird zum Hauptmann ernannt. Er schifft in Cadiz mit Kunigunde und der Alten mitsamt Pferden und zwei Bediensteten ein.

Auf der Überfahrt nach Amerika mutmasst Candide, dass die neue Welt, die sie bald zu Gesicht bekommen sollen, wohl die bestmögliche sei. Kunigunde ist jedoch skeptisch: Das Unglück, das ihr widerfahren sei, lasse sie kaum noch Hoffnung schöpfen. Die Alte erwidert, dass sie selber schon viel Schlimmeres durchleben musste.

11. Kapitel: Die Geschichte der Alten

Die Alte erzählt ihre Geschichte: Sie sei die Tochter von Papst Urban X. und der Prinzessin von Palestrina. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr habe sie in einem Palast gewohnt und üppige Gewänder getragen. Zudem sei sie ein sehr schönes Mädchen gewesen. Sie sei mit dem Fürst von Massa-Carrara verlobt gewesen und habe diesen auch geheiratet. Kurz nach der Hochzeit sei ihr Ehemann aber von einer alten Marquise, des Fürsten frühere Geliebte, mit einer Schokolade vergiftet worden.

Nach diesem Vorfall habe die Mutter der jungen Witwe beschlossen, für eine Weile von ihrem Schloss wegzugehen und ihre Tochter auf diese Reise mitzunehmen. Bei der Überfahrt sei ihr Schiff von einem Korsaren aus Saleh geentert worden. Die päpstlichen Soldaten hätten keinen Widerstand geleistet und sich sofort ergeben. Mannschaft und Passagiere seien gezwungen worden, sich ihrer Kleidung zu entledigen. Die Marokkanischen Angreifer hätten sämtliche Körperöffnungen nach versteckten Edelsteinen durchsucht. Danach habe man sie nach Marokko zur Sklavenarbeit gebracht. Dort herrschte gerade ein blutiger Krieg. Sämtliche Angehörigen und Mitgereisten der jungen Witwe seien dabei umgebracht worden, alleine sie habe das Massaker überlebt. Sie sei von diesem Schlachtplatz geflohen und an einem kleinen Bach wieder zu sich gekommen, wo sie von einem Eunuchen gefunden wurde.

12. Kapitel: Fortsetzung der Leidensgeschichte der Alten

Der Eunuch habe sich als Kastratensänger herausgestellt, der früher am Hofe der Prinzessin von Palestrina gedient habe und auch der Erzieher deren Tochter gewesen sei. Nun sei er von einer christlichen Handelsnation beauftragt worden, in Marokko einen Vertrag für Waffenlieferungen abzuschliessen. Mit den gelieferten Waffen sollten die Marokkaner die anderen christlichen Handelsnationen bekämpfen.

Der Eunuch habe der jungen Witwe versprochen, sie nach Italien zurückzubringen. Stattdessen habe er sie nach Algier verkauft. Dort habe zu dieser Zeit die Pest grassiert. Zwar sei die junge Witwe dort auch angesteckt worden, sie habe die Krankheit jedoch überlebt. Danach sei sie über mehrere Stationen verkauft worden und schliesslich in die türkische Stadt Asow gelangt, die schon bald von den Russen belagert worden sei.

Die Soldaten hätten sich trotz ihrer aussichtslosen Lage nicht ergeben wollen. Aus Nahrungsmangel hätten sie zunächst zwei Eunuchen verspeist, danach wären auch sämtliche Frauen, darunter auch die junge Witwe, an der Reihe gewesen. Der Iman von Asow habe sie aber davon abhalten können. Sie sollten zunächst mit einer Gesässbacke jeder Dame vorlieb nehmen, das ergäbe eine gute Mahlzeit. Später könne man auch noch die zweite Gesässbacke verspeisen. Die Soldaten assen also je eine Hinterbacke sämtlicher Frauen. Kurz darauf sei die Stadt gefallen und die junge Witwe in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Nach zwei Jahren habe sie flüchten können und sei über Umwege zu Don Isaschar gelangt.

13. Kapitel: Wie Candide gezwungen wird, sich von der schönen Kunigunde und der Alten zu trennen

Das Schiff von Candide, Kunigunde und der Alten kommt heil in Buenos Aires an. Candide bittet den Statthalter Don Fernando d’Ibara y Figuera y Mascaranes y Lampurdos y Suza, seine Hochzeit mit Kunigunde zu organisieren. Doch auch dieser hat Gefallen an Kunigunde gefunden und möchte sie ebenfalls heiraten.

Die Alte warnt Candide: Auf ihrer Flucht habe ein Franziskaner Kunigunde Juwelen und Geld geraubt, das sie zuvor dem Grossinquisitor abgenommen habe. Nun sei der Franziskaner verhaftet und erhängt worden, doch habe man die Spur von Candide und seinen Gefährten bis nach Cadiz zurückverfolgen können. Nun sei ein Richter mitsamt Gerichtsdiener auf dem Weg nach Buenos Aires, Candide zu ergreifen und ihn zu verurteilen. Er solle so schnell wie möglich die Flucht ergreifen.

14. Kapitel: Wie Candide und Cacambo bei den Jesuiten in Paraguay empfangen werden

Candide und sein Bediensteter Cacambo fliehen auf den verbleibenden Pferden. Sie wollen bei den Jesuiten, die sie zu bekämpfen ursprünglich nach Südamerika gereist sind, Zuflucht finden. Als sie in Paraguay bei den Jesuiten eintreffen, werden ihnen Waffen und Pferde abgenommen. Die Jesuiten halten Candide für einen Spanier und umzingeln ihn. Doch Cacambo kann ihnen glaubhaft machen, dass Candide ein Deutscher sei. Da der Pater Kommandant ebenfalls ein Deutscher ist, bringt man Candide zu ihm.

Schnell stellt sich heraus, dass es sich beim Pater Kommandanten um Kunigundes Bruder handelt. Die beiden fallen sich in die Arme und sind überglücklich. Als Candide ihm mitteilt, dass seine Schwester Kunigunde wohlauf sei und sich in Buenos Aires beim Statthalter befinde, bricht ihr Bruder erneut vor Glück in Tränen aus.

15. Kapitel: Wie Candide den Bruder seiner teuren Kunigunde tötet

Kunigundes Bruder sei damals beim Überfall der Bulgaren für tot gehalten worden. Als man ihn beerdigen wollte und mit Weihwasser besprenkelte, habe er mit der Wimper gezuckt und der jesuitische Priester habe gemerkt, dass er noch lebte. Der Priester nahm sich seiner an und verschaffte ihm schlussendlich den Posten in Paraguay.

Candide teilt ihm mit, dass er Kunigunde heiraten möchte. Ihr Bruder ist äusserst aufgebracht über diese Absicht, stürmt mit seinem Degen auf Candide los und fügt ihm eine Schnittwunde im Gesicht zu. Candide zieht seinen Degen ebenfalls und bringt Kunigundes Bruder mit einem einzigen Stoss um. Nun hat Candide, der sich nach wie vor für den besten aller Menschen hält, schon drei Männer umgebracht – zwei davon waren Priester.

Cacambo bekleidet Candide schnell mit dem Mantel und dem Dreispitz von Kunigundes nun toten Bruder. Als Jesuitenkommandant verkleidet werde er problemlos das Lager verlassen können. Cacambo und Candide fliehen aus dem Lager, bevor überhaupt ein Jesuit merkt, dass ihr Kommandant umgebracht wurde.

16. Kapitel: Was die beiden Reisenden mit zwei Mädchen, zwei Affen und den Langohrindianern erlebten

Unterwegs machen Candide und Cacambo auf einer Wiese halt, um vom Proviant zu essen, den Cacambo im Jesuitenlager vor der Flucht gerade noch einsammeln konnte. Auf einmal werden sie von Frauengeschrei aufgeschreckt: zwei nackte Mädchen rennen über die Wiese und werden dabei von zwei Affen verfolgt und in ihre Hinterbacken gebissen. Candide, der in der bulgarischen Armee zu einem guten Schützen ausgebildet wurde, zückt seinen spanischen Doppelläufer, feuert auf die Affen und streckt beide nieder. Doch die Mädchen fallen Candide nicht um den Hals. Sie beginnen zu weinen und liebkosen die leblosen Affenleiber. Offenbar waren die beiden Affen die Liebhaber der Mädchen.

In der folgenden Nacht werden Candide und Cacambo von Langohrindianern gefesselt und geknebelt. Die Mädchen haben die Mörder ihrer Liebhaber bei den Indianern denunziert. Die Langohrindianer halten für Candide und seinen Gefährten einen dampfenden Kessel und Bratspiesse bereit und freuen sich lautstark darüber, dass es nun endlich Jesuitenfleisch zu essen gäbe.

Cacambo, der das Kauderwelsch der Indianer beherrscht, versucht den Indianern zu erklären, dass es sich bei Candide keinesfalls um einen Jesuiten, sondern um den Mörder des Jesuitenkommandanten handelt. Die Langohrindianer lassenumgehend zwei Häuptlinge zum Jesuitenlager schicken, um diese Behauptung zu prüfen. Als diese zurückkommen und Cacambos Behauptung bestätigen können, werden die beiden Gefangenen freigelassen und wie Könige gefeiert.

17. Kapitel: Ankunft Candides und seines Dieners im Lande Eldorado, und was sie dort sahen

Cacambo möchte nach Europa zurückkehren. Doch Candide fürchtet, dort ergriffen und hingerichtet zu werden. Einzig bei den Franzosen könnten sie sich sicher fühlen. Sie beschliessen, in die französische Kolonie Cayenne zu fahren. Als sie zu einem Fluss gelangen, lassen sie die Pferde stehen. Sie pflücken ein paar Kokosnüsse und legen diese in ein Kanu, mit dem sie flussabwärts reisen.

In den Stromschnellen zerschellt das Kanu. Candide und Cacambo können sich ans Ufer retten und gelangen nach einer Kletterpartie zu einer Ebene. Von da aus gelangen sie in ein Dorf, wo Kinder mit Murmeln aus Edelstein und Gold spielen. Als der Schulmeister die Kinder zurück zum Unterricht holt, lassen diese ihre Murmeln einfach liegen. Candide, der die Kinder für Angehörige der königlichen Familie hält, sammelt die Murmeln auf und übergibt sie dem Schulmeister. Doch dieser wirft die Murmeln bloss zur Seite. Candide sammelt sie erneut auf und behält sie. Candide und Cacambo verpflegen sich in einem Wirtshaus. Das üppige Mahl versucht Candide mit den Murmeln zu zahlen. Die Einheimischen lachen ihn bloss aus und teilen ihm mit, dass man mit ein bisschen Kiesel und Strassenstaub dort bezahlen könne. Doch seien die beiden Reisenden als Gäste hier und somit selbstverständlich eingeladen. Der Einheimische entschuldigt sich, dass die beiden Reisenden nicht standesgemäss empfangen worden seien, und dass dies bei ihrem Besuch in der Hauptstadt nachgeholt werde.

18. Kapitel: Was sie im Lande Eldorado sahen

Candide und Cacambo werden zu einem Greis geführt, der schon hundertzweiundsiebzig Jahre alt ist. Er erzählt den beiden Reisenden die Geschichte des Landes Eldorado – so sollen es auf jeden Fall die Spanier nennen. Ursprünglich hätten die Inkas dieses Land bewohnt. Doch diese seien aufgebrochen, um ein fremdes Land zu erobern. Dort hätten die Spanier die Inkas bis auf den letzten Mann umgebracht. Seither sei es den Bewohnern Eldorados verboten, ihr eigenes Land zu verlassen. Auch sei es nicht schwer, dieses Verbot durchzusetzen, da das Land von kaum passierbaren Gebirgen umgeben sei.

Candide lässt Cacambo den Greisen fragen – Cacambo beherrscht die Landessprache und dient als Übersetzer – wie es sich mit der Religion in Eldorado verhalte, ob man in diesem Lande auch nur einen einzigen Gott verehre. Der Greis zeigt sich überrascht über die Frage Candides: Natürlich würde man in Eldorado nur den einen Gott verehren. Candide fragt weiter, ob es denn hier auch Mönche gäbe, die predigten, disputierten, intrigierten und andere Leute verbrennen würden. Der Greis entgegnet dem nur, dass seine Landsleute den Verstand verloren haben müssten, um so zu handeln.

Der Greis lässt die beiden Reisenden zum König schicken. In seinem prunkvollen Palast werden sie herzlich empfangen und dürfen sich zum König an einen reich gedeckten Tisch setzen. Der König zeigt ihnen die Hauptstadt und macht sie mit den lokalen Gegebenheiten bekannt. Candide und Cacambo sehen ein, dass sie in diesem Reich nur einer von vielen seien. Doch wenn sie nur eine geringfügige Menge des hiesigen Reichtums mit nach Europa nehmen könnten, dann wären sie dort reicher als alle Fürsten und Könige zusammen. Der König genehmigt ihre Entlassung und lässt seine Ingenieure eine Maschine bauen, mit der die beiden Reisenden sicher über die Berge befördert werden können. Sie bekommen auch einige mit Gold, Edelsteinen und Proviant bepackten Widder mit auf die Reise.

19. Kapitel: Was sie in Surinam erleben, und wie Candide Martin kennenlernt

Candide und Cacambo werden sicher über die Berge geleitet. Auf ihrer weiteren Reise verlieren sie die meisten Widder. Doch die auf den zwei verbleibenden Widdern transportierten Reichtümern reichen den beiden Reisenden längst aus. Vor der holländischen Stadt Surinam begegnet ihnen ein verstümmelter Neger. Er diene als Sklave in der Zuckerproduktion. Seine Hand habe man ihm abgeschnitten, weil ihm ein Finger vom Schleifstein zerquetscht wurde. Das eine Bein habe man ihm abgehackt, weil er flüchten wollte.

In Surinam trennen sich Candide und Cacambo. Cacambo soll nach Buenos Aires reisen, dort Kunigunde freikaufen und sie mit der Alten nach Venedig bringen. Candide würde dort auf sie warten. Er möchte mit dem Schiff des Kaufmanns Vanderdendur nach Italien reisen. Als Vanderdendur bemerkt, dass Candide jeden Preisaufschlag für die Reise akzeptiert und scheinbar über einen unermesslichesReichtum verfügt, schmiedet er einen Plan: Sobald die beiden mit Schätzen bepackten Widder auf seinem Schiff aufgeladen sind, fährt er los. Als dem Kaufmann dies tatsächlich gelingt, bleibt Candide nur der Gang zum örtlichen Richter. Dieser verlangt für Candides forsches Auftreten und die Anhörung schon eine beträchtliche Summe, hilft ihm aber nicht weiter. In Surinam hält sich gerade ein Schiff auf, das nach Bordeaux reisen soll. Candide will damit zurück nach Europa gelangen. Er möchte aber nicht alleine reisen, sondern den Leidensgenossen aus Surinam mitnehmen, der ihm die kläglichste Lebensgeschichte erzählt. Candide entscheidet sich für einen holländischen Gelehrten.

20. Kapitel: Was Candide und Martin auf dem Meere erlebten

Candides Mitreisender, der Gelehrte Martin, gesteht, der verbotenen Sekte der Manichäer anzugehören. Martin erzählt Candide von der Schlechtigkeit der Welt – das Land Eldorado ausgenommen. In der Nähe ihres Schiffes tobt gerade ein Seekampf, den Candide und Martin mit ihren Fernrohren mitverfolgen. Nach einem Angriff mit voller Breitseite des einen Schiffes birst das Andere und versinkt unter dem Jammergeschrei einer Hundertschaft von Passagieren auf dem unterlegenen Schiff. Dem französischen Schiff treibt etwas rotes entgegen: Candide erkennt einen seiner beiden verbliebenen Widder. Es gelingt ihm, den Widder an Land zu schaffen. Beim gekenterten Schiff handelte es sich offenbar um dasjenige Vanderdendurs. Candide schöpft neue Hoffnung: Da er schon seinen Widder wiedergefunden habe, werde er auch Kunigunde wiederfinden.

21. Kapitel: Candide und Martin nähern sich den Küsten Frankreichs unter mancherlei erbaulichen Gesprächen

Als sich das Schiff kurz vor der Küste Frankreichs befindet, erzählt Martin Candide von seinen Erfahrungen mit dem Land Frankreich im allgemeinen und mit der Hauptstadt Paris im speziellen. Auf dem Land lebten alle möglichen Arten von Menschen, in Paris könne man all diese Arten an einem Ort antreffen. Candide will von Martin wissen, ob er auch glaube, dass die Menschen schon immer schlecht gewesen seien. Martin ist dieser Meinung: Die Menschen seien in dieser Beziehung nicht besser als die Habichte.

22. Kapitel: Was Candide und Martin in Frankreich geschah

In Bordeaux verkauft Candide seinen Widder und ein paar Edelsteine, um sich vom Ertrag eine Kutsche zu kaufen. Eigentlich möchte er auf dem direktesten Weg nach Venedig gelangen. Doch als er in den Herbergen an den Landstrassen überall von Reisenden hört, dass diese nach Paris unterwegs seien, beschliesst er, auch einen Abstecher dorthin zu machen. Als Candide in Paris ankommt, erkrankt er. Da er an seiner Hand Diamantringe trägt, drängen die Ärzte und Krankenschwestern ihm seine Hilfe geradezu auf. Je mehr Aderlässe und Arzneimittel Candide über sich ergehen lassen muss, desto schlechter geht es ihm. Ein Pfaffe möchte ihm gar einen Fahrschein ins Jenseits verkaufen. Doch Candide erholt sich schon bald von seiner Krankheit.

Der Abbé von Perigord macht Candide mit dem Theater, den Schauspielerinnen und den örtlichen Gepflogenheiten von Paris bekannt. Er führt Candide und Martin zu einer Abendgesellschaft der Marquise de Parolignac. Dort wird das Kartenspiel «Pharao» gespielt und über literarische Neuerscheinungen gesprochen. Nach einem kurzen Gespräch über Tragödien und Weltanschauungen zwischen Candide, Martin und einem Gelehrten, versucht die Gastgeberin Candide zu verführen. Dabei gelingt es ihr, die Diamantringe von Candide geschenkt zu bekommen. Nach diesem Treffen plagen Candide Schuldgefühle, schliesslich wollte er seiner Kunigunde treu bleiben.

Der Abbé von Perigord lockt Candide in eine Falle: Mit einem gefälschten Brief von Kunigunde – sie solle sich in Paris befinden und krank sein –, wird Candide zu ihrem vermeintlichen Aufenthaltsort bestellt. Die falsche Kunigunde gibt sich jedoch nicht zu erkennen und lässt nur eine Hand von sich sehen, in welche Candide sogleich einige Diamanten als Geschenk legt. Auf einmal erscheint im Zimmer ein Gerichtsdiener mitsamt Eskorte, der gekommen sei, Candide zu holen. Doch Candide kann ihn mit drei Diamanten bestechen. Der Bruder des Gerichtsdieners organisiert ihre Flucht nach Portsmouth.

23. Kapitel: Candide und Martin fahren nach England; was sie dort sehen

Auf der Überfahrt nach Portsmouth warnt Martin Candide von der Engländern. Sie seien ziemlich verrückt, aber auf eine andere Art und Weise als die Franzosen. Als ihr Schiff im Hafen einfährt, wird dort gerade ein Admiral, der zuvor in einer Seeschlacht gegen die französische Flotte gescheitertsei, mit mehreren Kopfschüssen hingerichtet. Candide ist entsetzt und möchte am liebsten möglichst schnell wieder weg von England.

Es gelingt ihm, den Kapitän zu einer baldigen Abreise zu überreden. Schon nach zwei Tagen nimmt das Schiff seine Reise in Richtung Venedig auf. Frankreich und Portugal werden umfahren, auch an der Meeresenge zu Gibraltar können sie passieren, sodass sie schon bald in Venedig ankommen.

24. Kapitel: Paquette und Bruder Giroflée

In Venedig können Candide und Martin weder Kunigunde noch Cacambo finden. Martin glaubt, dass Cacambo den Auftrag seines Meisters nicht ausgeführt und sich mit dem ganzen Geld aus dem Staub gemacht habe. Martin rät Candide, er solle Kunigunde vergessen.

Auf dem Karneval trifft Candide Paquette an, die Pangloss mit der Seuche angesteckt hat. Ihr sei es jedoch nicht besser ergangen: Sie sei von einem Franziskaner verführt worden und habe die Seuche von ihm erhalten. Als sie erkrankt sei, habe man sie vom dem Schloss verjagt. Ein Arzt habe sich ihrer angenommen und sie geheilt. Dafür habe sie dann seine Geliebte sein müssen. Doch die Frau des Arztes sei sehr eifersüchtig gewesen und habe Paquette geprügelt. Darauf habe der Arzt seine Frau vergiftet und die Flucht ergriffen. Paquette habe man ins Gefängnis geworfen. Der Richter habe sie dann freigesprochen – mit der Bedingung, dass sie seine Geliebte werde. Doch Paquette sei schon bald von einer Nebenbuhlerin verdrängt worden. Seither schlage sie sich als Prostituierte durch.

Paquette hat tatsächlich einen Freier dabei: den Theatriner Bruder Giroflée. Dieser sei mit fünfzehn Jahren gegen seinen Willen in das Mönchskostüm gesteckt worden, wobei er doch das Mönchsleben hasse und am liebsten das Kloster in Brand stecken möchte. Sein einziges Vergnügen seien die Prostituierten.

Candide möchte Martin beweisen, dass es trotz dem ganzen Übel auch glückliche Menschen gäbe. Er hat von einem gewissen Senator Pococurante gehört, der in Venedig lebe und angeblich in seinem Leben noch nie Kummer gehabt habe.

25. Kapitel: Besuch bei Herrn Pococurante, einem venezianischen Nobile

Am nächsten Tag besuchen Candide und Martin den Senator Pococurante. Er ist ein schwerreicher, um die sechzig Jahre alter und etwas steifer Mann. Er lebt in einem grossen Palast und hält sich dort auch ein paar Mätressen, die ihn jedoch langweilen. Seine Raffael-Gemälde schaut er kaum noch an. Konzerte und Opern sind ihm ein Graus. Auch die homerischen Epen langweilen ihn. Von Vergil, Horaz, Cicero und Milton hält er nur wenig. Von den tausenden Theaterstücken, die in seiner Bibliothek lagern, seien kaum drei Dutzend gute darunter. Der Garten, der Candide durchaus gefällt, widert den Senator bloss an. Dennoch ist Candide entzückt vom Senator: Er sei schliesslich über alle Besitztümer erhaben und könne sich glücklich schätzen, zu keiner Lust mehr fähig zu sein. Kunigunde und Cacambo tauchen auch an den folgenden Tagen nicht auf, genausowenig wie Paquette und Bruder Giroflée.

26. Kapitel: Von einem Souper, das Candide und Martin mit sechs Fremden einnahmen, und wer diese waren

Im Gasthof wird Candide von Cacambo überrascht. Cacambo berichtet, dass Kunigunde sich in Konstantinopel befinde, und dass sie nach dem Abendessen sofort dorthin aufbrechen können. Cacambo sei nun als Sklave dem Grosssultan Achmed III. zugehörig, der ebenfalls mit Candide am Tisch sässe. Nach dem Essen kommt Cacambo erneut bei Candide vorbei und teilt ihm mit, dass sein Schiff nun für die Abreise nach Konstantinopel bereit stehe.

Auch die sechs Tischgenossen Candides werden von ihren jeweiligen Bediensteten über etwas Anstehendes informiert und dabei jeweils mit «Majestät» angesprochen. Candide hält das für einen Karnevalsscherz. Wann sitzen denn schon sechs Könige am selben Tisch einer venezianischen Gaststätte! Doch Candides Tischgenossen versichern ihm, dass sie tatsächlich Könige seien. Sie stellen sich der Reihe nach vor. Neben dem ehemaligen Grosssultan Achmed III. aus der Türkei befinden sich weiter am Tisch: der Sohn des Zaren von Russland Iwan von Russland; Karl-Eduard, ehemaliger König aus England; ein entthronter polnischer König; ein weiterer entthronter König, ebenfalls aus Polen; und Theodor, ehemaliger König von Korsika. Nach dem Essen geben die früheren Monarchen dem verarmten Theodor jeweils eine kleine Geldspende. Candide, der einzige nicht-adelige zu Tische, schenkt ihm einen Diamanten, der einen vielfach höheren Wert hat als die fünf Geldspenden zusammengenommen.

27. Kapitel: Candides Reise nach Konstantinopel

Auf der Überfahrt nach Konstantinopel unterrichtet Cacambo Candide über den Verbleib von Kunigunde und die Alte: Sie seien Sklavinnen des türkischen Fürsten Rakoczy. Kunigunde habe an Schönheit eingebüsst, ja sei gar hässlich geworden. Cacambo habe sein Geld beim Freikauf Kunigundes und bei einem Überfall von Seeräubern verloren. Candide beschliesst, Cacambo aus Achmeds Diensten freizukaufen.

Mit einer Galeere wollen die beiden an die Küste gelangen. Dort erkennt Candide auf einer Ruderbank Pangloss und Kunigundes Bruder, die er beide für tot geglaubt hat. Er kauft die Beiden frei, indem er einem Juden einen Diamanten für 50’000 Zechinen verkauft – für rund die Hälfte seines eigentlichen Werts. Nach seiner Ankunft in Konstantinopel verkauft er erneut Diamanten an zwei andere Juden, um das Lösegeld für Kunigunde zusammenzubekommen.

28. Kapitel: Was Candide, Kunigunde, Pangloss, Martin und die anderen erlebten

Candide entschuldigt sich bei Kunigundes Bruder für den Degenstich. Dieser verzeiht Candide, schliesslich habe er selbst auch überreagiert. Nach seiner Heilung sei der junge Baron von Spaniern aufgegriffen und ins Gefängnis in Buenos Aires gebracht worden – gerade zu der Zeit von Kunigundes Abreise. In Rom habe er einen Posten gefunden, für den es ihn nach Konstantinopel verschlagen hätte. Als er sich völlig entblösst in ein Bad zu einem jungen Muselmann gesellt habe, sei er mit Stockschlägen und Ruderdienst auf der Galeere bestraft worden.

Mit Pangloss habe es sich so zugetragen: Aufgrund des starken Regens habe man ihn nicht verbrannt, sondern nur gehängt. Doch sei die Erhängung so schlecht durchgeführt worden, dass Pangloss lediglich das Bewusstsein verlor, jedoch nicht daran starb. Als sein für tot geglaubter Körper zu einem Chirurgen zum Sezieren gebracht worden sei, und dieser einen langen Schnitt über Pangloss’ Vorderseite gemacht habe, sei dieser wieder zu Bewusstsein gelangt. Er habe einen Schrei ausgestossen, worauf der Chirurg und dessen Frau geglaubt hätten, dass in diesem Ketzer der Teufel stecke. Pangloss habe fliehen können und sei zusammengenäht worden. Mit einem Kaufmann sei er dann nach Konstantinopel gereist. Er habe dort eine Moschee besucht und einem jungen Mädchen ihren zuvor auf den Boden gefallenen Blumenstrauss zurück in ihren Ausschnitt gesteckt. Dabei sei Pangloss von einem Iman beobachtet und angeklagt worden. Man habe Pangloss zu 100 Rutenhieben und Ruderdienst auf der Galeere verurteilt.

Doch Pangloss habe, wie es sich für einen Philosophen eben gebühre, an seiner Grundhaltung festgehalten. Er bezieht sich hierbei mit Begriffen wie der «prästabilierten Harmonie», dem «Weltprozess» und dem «Urnomaden» auf die Leibniz’sche Philosophie.

29. Kapitel: Wie Candide Kunigunde und die Alte wiederfindet

Candide, Cacambo, der junge Baron, Pangloss und Martin gelangen beim türkischen Fürsten an, der Kunigunde und die Alte als Sklavinnen hält. Sie erblicken die beiden gleich am Ufer. Als die hässliche Kunigunde Candide umarmen will, schreitet er zunächst drei Schritte zurück, besinnt sich aber und umarmt sie dennoch. Candide kauft die beiden Sklavinnen vom Fürsten frei und zieht mit seinen Gefährten in ein Landhaus ganz in der Nähe.

Kunigunde besteht darauf, Candide zu heiraten. Dieser willigt ein – er hat es ihr ja schliesslich früher einmal versprochen. Doch ihr Bruder ist strikt dagegen: Solange er lebe, werde Kunigunde Candide keinesfalls heiraten!

30. Kapitel: Schluss

Candide möchte Kunigunde nicht aufgrund seiner Gefühle heiraten, sondern nur, um sich gegen den Willen ihres Bruders durchzusetzen. Pangloss beweist, dass Kunigundes Bruder kein Recht habe, ihr den Eheschluss mit Candide zu verweigern. Martin rät, ihren Bruder einfach ins Meer zu werfen. Doch man entscheidet sich schlussendlich für Cacambos Idee: Kunigundes Bruder soll zurück auf die Galeere gebracht werden.

Candides Vermögen ist schon bald von betrügerischen Juden völlig aufgezehrt. Kunigunde wird von Tag zu Tag hässlicher und unausstehlicher. Cacambo dient Candide weiterhin, indem er seinen Garten bestellt und die Überschüsse am Markt verkauft. Candide, Pangloss und Martin verbringen ihre Tage mit philosophischen Disputen. Eines Tages tauchen Paquette und Bruder Giroflée bei Candide auf. Das Geld, das Candide ihnen in Venedig gegeben hat, haben sie bereits aufgebraucht. Pangloss sucht Rat bei einem sich in der Nähe befindlichen Derwisch. Doch der möchte von Pangloss’ Philosophie nichts hören und stellt ihn vor die Tür.

Candide trifft einen türkischen Greis, der den Lebensunterhalt seiner Familie mit einem kleinen Garten bestreitet. Die Arbeit würde ihn von den drei grossen Übeln – Langeweile, Laster und Not – abhalten. Diese Worte machen Candide nachdenklich. Fortan arbeiten er und seine Hausgenossen auch im Garten und in seinem Hause mit. Candide ist nun überzeugt, seine Bestimmung gefunden zu haben. Er glaubt, nun tatsächlich in der besten aller Welten zu leben.

Quelle

Voltaire: Candide, Stuttgart: Reclam (1971). Aus dem Französischen von Ernst Sander. ISBN-13: 978-3-15-006549-5