Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti

Zusammenfassung

Patrick Bucher
1. März 2013

In seinem 1772 erschienenen Drama Emilia Galotti erzählt Gotthold Ephraim Lessing in fünf Aufzügen die tragische Geschichte, wie die Heirat der Titelheldin mit Graf Appiani durch die hinterlistige Ermordung des Bräutigams verhindert wird.

1. Aufzug

Prinz Hettore Gonzaga von Guastalla steht kurz vor der Vermählung mit der Prinzessin von Massa, hat jedoch mit Gräfin Orsina auch eine Geliebte. Viel besser gefällt ihm aber eine Bürgerliche: Emilia Galotti, die hübsche Tochter seines Widersachers Odoardo Galotti. Von seinem Kammerherr Marchese Marinelli erfährt Gonzaga, dass sich Emilia Galotti mit dem Fürst Appiani vermählen wolle. Nach der Hochzeit, die noch am gleichen Tag stattfinden soll, will das Brautpaar nach Appianis Landgut im Piemont übersiedeln, um dort ein Dasein in Zurückgezogenheit zu fristen. Gonzaga möchte diesen Eheschluss um jeden Preis verhindern und erteilt Marinelli hierzu Vollmacht. Auf Marinellis Anweisung hin fährt Gonzaga zu seinem Lustschloss Dosalo, das auf dem Weg zwischen Guastalla und Sabionetta, dem Ort der Trauung, liegt.

2. Aufzug

Odoardo Galotti reist von Sabionetta nach Guastalla, um seine Frau Claudia Galotti und seine Tochter Emilia zu überraschen. Er findet seine Tochter zu Hause jedoch nicht vor, da sie zum Zeitpunkt seines Besuches in der Kirche Andacht hält. Als Emilia dann zurückkehrt, berichtet sie ihrer Mutter – der Vater ist bereits wieder abgereist –, wie Gonzaga ihr in der Kirche aufgelauert und sie anzusprechenversucht habe. Sie habe jedoch widerstanden und sei nach Hause geflohen. Claudia und Emilia beschliessen, weder dem Bräutigam Appiani, noch dem Vater Odoardo von diesem Vorfall zu erzählen.

Marinelli spricht bei Appiani vor, um diesen mit einer ehrenvollen Aufgabe zu betrauen: Appiani solle sofort zu Gonzaga nach Dosalo reisen, von wo aus er dann die Nachricht der anstehenden Vermählung von Prinz Gonzaga nach Massa zu überbringen habe. Doch Appiani schlägt diese Ehre aus, da er am gleichen Tag noch heiraten will und zu keiner Verschiebung der Trauung bereit ist. Marinelli provoziert Appiani zu einer Beleidigung, worauf Marinelli Genugtuung fordert. Marinelli möchte sich jedoch nicht sofort duellieren, sodass er unverrichteter Dinge wieder abgeht.

3. Aufzug

Marinelli reist nach Dosalo und berichtet Gonzaga vom Scheitern seines ursprünglichen Plans. Doch da hören die beiden einen Schuss. Marinellis zweiter Plan scheint gelungen zu sein: Eine angeheuerte Räuberbande, angeführt vom gesuchten Auftragsmörder Angelo, soll einen Angriff auf die Hochzeitgesellschaft in der Nähe vom Lustschloss Dosalo vortäuschen, worauf eine andere, ebenfalls von Marinelli angeheuerte Gruppe die Räuberbande in einem Scheingefecht vertreiben und sich als die Retter der Hochzeitsgesellschaft inszenieren soll, indem sie die Reisenden in Gonzagas Lustschloss in Sicherheit bringen. Angelo erstattet Marinelli Bericht von der Ausführung des Plans: Appiani habe einen der Angreifer im Kampf getötet, worauf Angelo Rache für seinen verlorenen Mitstreiter geübt und Appiani angeschossen habe.

Emilia Galotti wird in das Lustschloss geführt, wo sie von Gonzaga empfangen wird. Sie sorgt sich um ihre Angehörigen und fühlt sich beim Prinzen nicht so recht sicher. Später wird auch Claudia ins Schloss gebracht, welche Marinelli des Mordes verdächtigt, sei doch des Grafen Appianis letztes Wort vor seinem Ableben der Name Marinellis gewesen. Emilia, die von Marinelli den Verführungskünsten Gonzagas ausgesetzt worden ist, erfährt von der Anwesenheit ihrer Mutter und stürmt aus dem Gemach des Prinzen. Glücklich über ihr Wiedersehen schliessen sich Emilia und Claudia in die Arme.

4. Aufzug

Gonzaga beteuert Marinelli gegenüber seine Unschuld am Tode Appianis. Marinelli entgegnet, dass dieser Todesfall nicht Teil seines Plans war, schliesslich sei es dadurch mit seiner eigenen Ehre dahin, da Appiani ihm noch Genugtuung geschuldet habe. Marinelli wirft nun Gonzaga vor, den Plan mit seinem morgendlichen Annäherungsversuch in der Kirche gefährdet zu haben. Durch sein ungestümes Handeln habe er schliesslich den Verdacht auf sich selber gelenkt.

Gräfin Orsina erscheint, wie sie es in einem Brief an Gonzaga angekündigt hat, auf Dosalo. Gonzaga, der diesen Brief nicht einmal geöffnet hat, sich nun aber doch gemäss Orsinas brieflicher Anweisung auf Dosalo befindet, heisst Orsina wieder abzureisen. Orsina beschuldigt Marinelli für den Tod Appianis verantwortlich zu sein. Schliesslich habe sie erfahren, wie Gonzaga Emilia am Morgen in der Kirche nachgestellt haben soll.

Odoardo Galotti trifft auf Dosalo ein. Marinelli lässt ihn mit Orsina alleine, mit der Warnung, dass Orsina nicht mehr bei Verstand sei. Orsina berichtet Odoardo von ihrem Verdacht: Der Prinz habe Emilia am Morgen in der Kirche aufgelauert. Die beiden hätten miteinander gesprochen, wobei Emilia dem Prinz nicht ganz abgeneigt gewesen sein soll. Odoardo hält dies zunächst für eine Verleumdung; Emilias Flucht nach Dosalo sei in Wirklichkeit eine Entführung! Auch erkennt er Emilias vermeintlichen Retter (Gonzaga) als den Strippenzieher und lässt sich von Orsina einen Dolch überreichen. Als Odoardo im Lustschloss dann auf seine Frau trifft, heisst er sie zusammen mit Orsina nach Guastalla zurückzureisen. Er selber wolle mit Emilia nach Sabionetta fahren; Emilia dürfe nicht nach Guastalla zurück.

5. Aufzug

Odoardo teilt Gonzaga und Marinelli mit, dass er Emilia zu sich mit nach Sabionetta nehmen will. Marinelli äussert nun den Verdacht, dass der Mörder Appianis in Wahrheit gar kein Räuber, sondern ein möglicher Nebenbuhler Emilias gewesen sei. Appiani habe mit seinem letzten Wort Marinelli beschworen, dass er ihn räche und seinen Mörder zur Strecke bringe. Da aber Emilia womöglich in die Geschichte mit dem Nebenbuhler verstrickt sei, müsse sie verhört werden – und zwar in Guastalla, getrennt von ihren Eltern. Odoardo, der Emilia zunächst in einem Kloster hat unterbringen wollen, will zunächst nach seinem Dolch greifen. Er zeigt sich aber dann mit Gonzagas Plan einverstanden, als dieser erklärt, er wolle Emilia im Haus seines Kanzlers unterbringen. Odoardos einzige Bedingung: Er möchte Emilia zuvor noch einmal sprechen.

Odoardo bestätigt Emilias Befürchtung von Appianis Tod, worauf diese recht gefasst reagiert. Als er Emilia erzählt, dass Gonzaga sie nach Guastalla mitnehmen wolle, und er, Odoardo, Gonzaga und Marinelli am liebsten mit einem Dolch habe erstechen wollen, verlangt Emilia nach dieser Waffe. Sie versucht sich damit umzubringen, worauf Odoardo ihr den Dolch wieder entreisst und seiner Tochter damit eigenhändig den Todesstoss versetzt.

Als der Prinz und Marinelli die tote Emilia erblicken, fordert Odoardo Gonzaga dazu auf, in Guastalla über ihn Gericht zu halten. Doch Gonzaga geht nicht darauf ein und fordert Marinelli dazu auf, sich mit dem Dolch umzubringen. Als Marinelli zögert, entreisst Gonzaga ihm den Dolch, denn dessen Blut solle sich nicht mit demjenigen Emilias vermischen. Gonzaga bedauert, dass er nebst allen Unglücks auch noch mit Marinelli einen Teufel zum Freund haben müsse.

Quelle

Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti, Stuttgart: Reclam (2001). ISBN-13: 978-3-15-000045-8