Gottfried Keller: Züricher Novellen

Zusammenfassung

Patrick Bucher
27. Februar 2013

Gottfried Kellers Novellenzyklus Züricher Novellen ist eine Sammlung von fünf historischen Novellen, wobei die ersten drei Novellen mit einer Rahmenhandlung (bzw. einer «Rahmennovelle») umgeben sind. Ort der Handlung ist dabei hauptsächlich die Stadt Zürich mit seinen angrenzenden Landgebieten. Die Novellen sind unterschiedlich lang, so umfasst Der Narr auf Manegg nur gerade zwei Dutzend Seiten, Der Landvogt von Greifensee jedoch fast hundert.

Rahmenhandlung (Herr Jacques)

Zürich, gegen Ende der 1820er-Jahre. Herr Jacques, ein adoleszenter, sich im Stimmbruch befindlicher Schüler, möchte gerne ein Original sein, und nicht bloss eine Kopie wie die meisten seiner Zeitgenossen. Als er eines Tages die Schule schwänzt und den Tag für einen ausgiebigen Spaziergang nutzt, begegnet er seinem Patenonkel. Dieser trifft sich mit seinen alten Freunden zum Mörserschiessen. Jacques findet Gefallen an diesem Schauspiel und leistet den Männern um seinen Patenonkel Gesellschaft. Als die Artilleristen eine Pause einlegen, erzählt Herr Jacques von seinem Wunsch, ein Original zu werden. Sein Patenonkel erklärt ihm, dass ein Original stets nachahmungswürdig sei, so wie der Ritter Manesse beispielsweise.

Hadlaub

Auf den Schlössern Schwarz- und Weiss-Wasserstelz leben die Geschwister Mechthild und Kunigunde. Mechthild zu Weiss-Wasserstelz gilt als finster und gewalttätig und möchte ihre Schwester Kunigunde verdrängen. Kunigunde zu Schwarz-Wasserstelz ist, im Gegensatz zu ihrer Schwester, schön und heiteren Wesens. Es geht das Gerücht um, des Kaisers Kanzler Heinrich von Klingenberg besuche Kunigunde des Nachts. Auch Kinderschreie will man bereits von Schwarz-Wasserstelz vernommen haben. Diese Gerüchte erweisen sich als wahr: das Kind Fides kommt ins Kloster, Kunigunde wird Fürstäbtissin.

Jahre später stattet der Meister Konrad von Mure dem Bauern Rudolf am Hadelaub, genannt «Ruoff», einen Besuch ab. Ruoff ist zwar Bauer, jedoch der höheren Gesellschaft zugehörig. Er ist verheiratet mit Richenza. Das Ehepaar hat einen Sohn namens Johannes. Konrad hat auch das Mädchen Fides mitgebracht. Konrad, der im Münster das Amt des Singmeisters bekleidet, möchte Ruoffs Sohn Johannes gerne zu sich nehmen. Bei ihm könne er eine gute Bildung erfahren. Ruoff verweigert dies zunächst, da er Johannes als Erbe für seinen Hof vorgesehen hat. Als ihm seine Frau jedoch einen zweiten Sohn schenkt, darf Johannes in der Stadt zur Schule gehen.

In der Schule lernt Johannes Deutsch und Latein. Er erstellt Abschriften von Rittersliedern und Gedichten und lernt sogar, die Lieder vorzutragen. Johannes bekommt Gelegenheit, einige Lieder vor einer hohen Gesellschaft, zu welcher der Ritter von Manesse geladen hat, vorzuspielen. Die Ritter finden Gefallen an dieser Musik und beschliessen, dass Johannes eine Sammlung von Minnegesängen zusammentragen soll. Als wichtigste Quelle soll das Liederbuch von Konstanz beschafft werden. Johannes wird zum «Minnekanzler» ernannt und nach Konstanz geschickt.

In Konstanz bekommt Johannes neben dem Liederbuch auch weitere Lieder ausgehändigt. Zudem werden ihm mehrere Briefe mitgegeben, unter anderem einen persönlichen Brief vom Bischof an die Fürstäbtissin Kunigunde. Darin rät der Bischof, dass Kunigunde ihre Tochter in die Gesellschaft von Johannes geben sollte, damit Fides dadurch ihre Menschenscheu verliere.

Johannes’ Arbeit kommt gut voran. Er findet auch Gefallen an Fides und beginnt, eigene Minnegesänge zu dichten. Das erste Lied heftet er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an Fides Mantel, als diese, noch bei Dunkelheit, aus dem Frühgottesdienst kommt. Fides reagiert nicht auf den Brief. Johannes getraut sich nicht, Fides direkt zur Minne zu singen. Er kann aber der Versuchung nicht widerstehen, das Lied zu spielen. Zu diesem Zweck geht er in den tiefen Wald, wo er sich in Einsamkeit wähnt. Zufälligerweise befindet sich aber Fides mit einigen anderen Mädchen in der Nähe. Sie begegnen Johannes und wissen nun von seiner Neigung. Johannes dichtet nun weitere Gesänge für Fides und lässt ihr sie zukommen.

Fides ist Johannes’ Schwärmerei unangenehm und sie bittet den Ritter von Manesse, ihren Pflegevater, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Als sie Manesse die Lieder zeigt, ist dieser von Johannes Kunst hell begeistert. Fides soll Johannes einfach gewähren lassen, auf diese Weise werde die Welt noch mit vielen weiteren von Johannes’ Dichtungen beglückt. Mit diesem Ratschlag unzufrieden, redet Fides auch mit ihrer Pflegemutter, der Gattin Manesse. Diese rät Fides, sie solle Johannes strikt abweisen. Der Bischof ist jedoch der Meinung, dass sich Fides keine Sorgen zu machen brauche. Sie sei lediglich unerreichbarer Gegenstand von Johannes’ Minnegesängen, er werde ihr schon nicht gefährlich werden. Manesse sammelt nun die Briefe von seiner Tochter ein.

Als Ritter Manesse eine hohe Jagdgesellschaft um sich versammelt, bitter er Johannes, den Herrschaften seine Abschriften zu präsentieren. Zu Johannes’ Überraschung präsentiert Manesse der Jagdgesellschaft aber auch Johannes eigene Dichtungen. Er verlangt von Fides, dass sie Johannes für seine Leistungen einen Kranz aufsetze und ein Geschenk mache. Da der bekränzte Johannes die gratulierende Fides nicht mehr loslassen will, beisst diese ihm in die Hand, wirft ihm sein Geschenk (eine Büchse aus Elfenbein) vor die Füsse und flieht aus dem Saal. Nach dieser Demütigung gibt Fides nun die Briefe von Johannes nicht mehr an ihren Pflegevater ab.

Johannes zieht nun in die Welt hinaus, um weitere Gesänge zu sammeln und sich Inspiration für weitere eigene Dichtungen zu holen. In Wien lernt er einen alten, namenlosen – er habe vor Jahren sein Gedächtnis verloren – Fidler kennen. Dieser sammelt Geld, damit er eines Tages, sollte er sein Gedächtnis wieder erlangen, zurück zu seinerFamilie kehren könne. Die beiden besuchen zusammen eine Kirchweih. Dort sind auch zahlreiche bewaffnete Bauern zugegen, die scheinbar Streit suchen. Schliesslich kommt es zu einer regelrechten Schlacht. Der Fidler wird dabei tödlich verletzt. Als letzte Handlung übergibt er Johannes seine persönliche Liedersammlung.

In der Zwischenzeit ist Fides Burgfräulein geworden. Als Johannes zu Manesse zurückkehrt, wartet dort der Graf Wernher von Homburg auf Rapperswyl, um Fides zur Minne zu singen. Johannes wird eifersüchtig auf ihn. In einem geheimen Brief lockt Fides eines Nachts Johannes nach Schwarz-Wasserstelz. Beim Fähremann muss er die von Fides geschenkte Elfenbeindose vorzeigen, um zum Schloss geleitet zu werden. Auf Schwarz-Wasserstelz angekommen, wird Johannes in den Kerker gebracht. Er vermutet aber keinen Hinterhalt, da im Kerker ein Haufen Äpfel für ihn bereit steht. Bald schon wird Johannes in ein Schlafgemach gebracht, wo er zwar eingesperrt bleibt, jedoch gut behandelt wird. Fides fühlt sich beleidigt: Johannes habe in seinen Gesängen neben Fides auch Fressorgien thematisiert und sie damit herabgewürdigt. Johannes entschuldigt sich, die Lieder seien nur in seinem jugendlichen Übermut entstanden.

Nun stattet der Graf Wernher Fides den angekündigten Besuch ab. Er erscheint mit seinem Boot unter Schwarz-Wasserstelz. Doch auch Fides’ Tante Mechthild taucht mit ihrem Boot auf und provoziert einen Zusammenstoss mit Graf Wernher. Dieser fällt ins Wasser und reist darauf wutentbrannt und beleidigt ab. Fides ist erleichtert und verlobt sich nun mit Johannes. Die beiden ziehen in die Stadt und pflegen fortan ein bürgerliches Leben. Die beiden Schlösser Schwarz- und Weiss-Wasserstelz werden nun vereinigt. Johannes schliesst seine Sammlung mit 138 Liedern ab.

Der Narr auf Manegg

Inspiriert von der Geschichte des Johannes Hadlaub, möchte Jacques nun auch eine Schrift verfassen. Sein Vorhaben: das kulturelle Vermächtnis der Stadt Zürich in einem reich verzierten Codex festhalten. Als er mit seinem Werk beginnt, besucht ihn sein Patenonkel. Jacques erzählt ihm von seinem Vorhaben. Dieser nimmt ihn mit zu den Überresten der Burg Manegg.

Mit dem Tode Rüdigers von Manegg im Jahre 1380 sei der Stern des Geschlechts von Manesse untergegangen. Der hyperaktive, jedoch unkonzentrierte Ital von Manegg, Sohn Rüdigers von Manegg, verliert seinen ganzen Besitz und schliesslich auch die Burg Manegg, welche im Jahre 1409 abbrennt.

Dies habe sich so zugetragen: Bei einem Turnier in Schaffhausen im Jahre 1392 findet Ital Gefallen an einer Thurgauerin. Diese plant, bald in Zürich ihre Base zu besuchen. Ital verpasst sie jedoch in Zürich, da er während ihres Besuchs seine Zeit mit Freunden vertreibt. Ein Jahr später trifft Ital die Thurgauerin erneut. Sie wolle ihm in den nächsten Tagen einen Besuch abstatten. Ital glaubt nicht, dass sie gleich am darauffolgenden Tag bei ihm erscheinen wird und geht auf die Jagd. Als er am Abend zu Hause ankommt, erfährt er, dass die Thurgauerin vergebens auf ihn gewartet habe. Ital heiratet darauf eine Aargauerin. Die Burg Manegg und seine Stadtwohnung veräussert er aus finanzieller Not einem Juden.

Ein anderer Sohn Rüdigers zeugt vier Töchter mit drei verschiedenen Frauen. Eine dieser Töchter hat später einen Sohn, welcher Pfarrer an der St. Egidien-Kapelle (unter der Burg Manegg) wird. Dieser Pfarrer hat wiederum eine ganze Sippschaft. Einer seiner Söhne, Buz Falätscher, richtet es sich unterhalb des Burghügels zu Manegg an einer Geröllhalde ein. Er lebt in einer kleinen Hütte, trägt ein Gewand aus Fischotterfellen. Er ist kaum gebildet, hält sich aber für einen wichtigen Geistlichen.

Buz Falätscher versucht sein Glück im Krieg und nimmt an Schlachten teil. Er hält sich selbst für tapfer, flieht auf dem Schlachtfeld aber vor jeder Gefahr. Die Soldaten akzeptieren ihn trotzdem – als Narren. Während eines Waffenstillstands fordert Falätscher den stärksten Kämpfer der gegnerischen Armee, einen «welschen Goliath», zum Duell. Dabei führt es sich so lächerlich auf und flieht schliesslich vom Kampfplatz, dass beide Armeen das ganze für einen Spass halten und sich über Buz Falätscher amüsieren. Die gegnerische Armee schenkt der Seite Falätschers sogar ein Fass Wein, zum Dank für das herrliche Schauspiel.

Falätscher ist zutiefst gedemütigt, als er sich seiner Rolle als Narr zum ersten mal Gewahr wird. Er zieht sich aus der Armee zurück und marschiert, schluchzend und heulend, zurück zu seiner Hütte. Unterwegs läuft ihm eine barmherzige Frau über den Weg, die ihn tröstet, ihn nach Hause begleitet und nun für seinen Lebensunterhalt sorgt. Doch Falätscher behandelt seine fürsorgliche Frau schlecht: lobt sie ihn nicht, so schlägt er sie. Als er seiner Frau eines Tages an die Gurgel geht, ergreift diese des Nachts die Flucht. Von nun an schlägt sich Falätscher mit der Jagd durch.

Schon bald zieht Falätscher in die leer stehende Burg von Manegg ein, besetzt diese und gibt sich nun als Ritter aus. Er besucht auch Rittertreffen, wo ihn die anderen Ritter akzeptieren – wiederum nur als Narren. An eines dieser Treffen bringt Ital von Manegg die Hadlaubsche Liederhandschrift mit. Falätscher findet Gefallen an diesem Buch und zecht solange mit Ital, bis dieser einschläft und erdie Liederhandschrift stehlen kann. Niemand verdächtigt Falätscher des Raubes. Dieser bringt das Buch auf «seine» Burg und ergänzt es um eigene Verse – auf dilettantischste Art und Weise.

Am Aschermittwoch bleibt Falätscher dem Rittertreffen fern. Die Ritter belustigen sich nun über Falätschers «Heldentaten» auf dem Schlachtfeld. Es kommt der Verdacht auf, dass Falätscher die Hadlaubsche Liederhandschrift gestohlen haben könnte. Die Ritter beschliessen, mit einer Rotte die Burg zu stürmen. Beim Angriff wird die Burg versehentlich in Brand gesteckt. Ritter Sax holt Falätscher, der das Buch auf sich trägt, aus der Burg heraus. Draussen angekommen stirbt Falätscher, das Buch kann jedoch gerettet werden. Ital vertraut dem Ritter Sax das Buch zur Verwahrung auf seiner Burg Forsteck an.


Jacques gibt nun sein Unterfangen auf, einen eigenen Codex zu verfassen. Stattdessen gibt ihm sein Patenonkel eine Biographie des Salomon Landolt («das Werk eines Dilettanten») zur Abschrift. Jacques macht sich an die Arbeit.

Der Landvogt von Greifensee

Bei der Musterung eines Scharfschützenregiments begegnet der nun 42 Jahre alte Obrist Salomon Landolt, den sogar der alte Fritz in der preussischen Armee haben wollte, seiner früheren Angebeteten Salome, genannt «Distelfink». Er lädt sie sogleich ein, ihm auf seinem Schloss – Salomon ist Landvogt und gilt als äusserst fair – einen Besuch abzustatten. Zu Hause angekommen hat Salomon die Idee, dass er auch die anderen vier Frauen, in die er früher verliebt war, einladen könnte. Als er seiner Köchin Marianne, eine verwitwete Tirolerin, die mit der preussischen Armee als Marketenderin unterwegs war, von seinem Vorhaben erzählt, möchte sie beim Besuch «schon für Händel sorgen». Doch Salomon klärt sie auf, dass er die Frauen ohne Hintergedanken, nur aus Freundschaft einladen will. Mit den fünf Frauen hat es sich folgendermassen zugetragen:

«Distelfink»

Salome ist die Tochter einer befreundeten Familie der Landolts. In ihrer Jugend verbringen Salomon und Salome viel Zeit miteinander. Als Salomon 50 Kirschbäume pflanzt, geht sie ihm tatkräftig zur Hilfe. Salomon ist entschlossen, um Salomes Hand anzuhalten. In seinem Antragsbrief schildert er unter anderem das wilde Leben seiner Vorfahren. Dies wirft bei Salomes Familie ein schlechtes Licht auf den jungen Landolt, der Antrag wird abgelehnt. Salome heiratet schliesslich einen reichen Mann.

«Hanswurstel»

Figura Leu, von Landolt «Hanswurstel» genannt, ist die Nichte des Rats- und Reformationsherren Leu. Dieser hat die Aufgabe, den Stadtbewohnern, die am Sonntag die Stadtmauern verlassen wollen, mit einer Marke auszustatten, mit welcher sie die Stadttore passieren können. Figura hilft ihm dabei, indem sie die Antragsteller je nach der Kategorie ihres (meist fadenscheinigen) Grundes gruppiert und ihnen einen entsprechenden Platz auf dem Flur zuweist.

Salomon hat von diesem Schauspiel gehört und würde Figura gerne kennenlernen. Er denkt sich einen Vorwand aus, um damit bei Figura vorzusprechen. Sein Antrag wird zwar abgelehnt, er findet aber Gefallen an Figura. Um ihr etwas näher zu kommen, freundet er sich mit ihrem Bruder Martin an und besucht mit ihm die Treffen der «Gesellschaft für vaterländische Geschichte» unter der Leitung von Johann Jakob Bodmer, einem bekannten «Freisinnigen».

Als Salomon und Martin eines dieser Treffen zu langweilig wird, stehlen sich die beiden davon und suchen eine Gaststätte auf, wo sie ausgiebig essen und trinken. Sie werden dabei erwischt und bekommen eine Verwarnung. Die beiden müssen nun bei Martins Onkel vorsprechen. Dieser redet den beiden Burschen zunächst ins Gewissen, lädt sie aber danach zu einem reich geschmücktem Tisch, an dem auch Figura sitzt. Sie speisen und trinken ausgiebig, sodass Onkel Leu sogar zu spät zum Gottesdienst geht. Figura fordert von Salomon, er solle ihr versprechen, sie nie zu heiraten. Ihrer sterbenden Mutter musste sie am Totenbett nämlich versprechen, nie zu heiraten. Salomon ist zwar enttäuscht, hat aber die Gewissheit, dass auch kein Anderer Figura bekommen wird.

«Kapitän»

Der Kapitän Gimmel aus Holland ist ein alter Trunkenbold, Raufer und Fechter. Er ist mit seiner Tochter Wendelgard, die Salomon «Kapitän» nennt, nach Zürich gekommen. Wendelgard ist um 1’000 Gulden verschuldet. Salomon, der sich für Wendelgard interessiert, gibt sich als Richter aus, um Einblick in ihre Finanzen zu bekommen. Er beschliesst, die 1’000 Gulden unter dem Vorwand, er habe Spielschulden, bei seiner grosszügigen Grossmutter zu erbetteln. Diese gibt ihm das Geld und fordert von Salomon, bloss nie zu heiraten.

Salomon spricht mit Kapitän Gimmel. Er habe einen Plan ausgearbeitet, wie man Wendelgards Schulden unter dem Namen Gimmels tilgen könne. Dieser willigt ein, Salomon zahlt Wendelgards Schulden zurück und gesteht ihr auch seine Liebe. Sie verlangt eine siebentägige Bedenkzeit, welche sie in Baden zubringen wird.

In Baden trifft Wendelgard auf Figura. Figura glaubt, dass eine Ehe für Salomon schlecht ausgehen werde. Sie arbeitet einen Plan aus: Figuras inzwischen in Paris lebender Bruder soll nach Baden kommen, sich als einen reichen, heiratswilligen Franzosen ausgeben und Wendelgard umgarnen. Diese fällt auf den Trick herein, nimmt den Antrag des vermeintlich reichen Franzosen an und erteilt Landolt eine Absage. Martin klärt Salomon über den Plan auf. Salomon ist zunächst enttäuscht, findet sich aber schnell damit ab. Später heiratet Martin Wendelgard tatsächlich. Diese wird nach der Eheschliessung sogar sparsamer und häuft keine Schulden mehr an.

«Grasmücke» und «Amsel»

Barbara, von Landolt «Grasmücke» genannt, ist die Tochter des Proselytenschreibers. Sie gestaltet aus Stoff und Zeichnungen Collagen von bekannten Leuten der Stadt. Als sie einen Mann auf einem Pferd porträtieren soll und beim Zeichnen des Pferdes scheitert, wird Salomon – der beste Pferdezeichner der Stadt – zur Hilfe gerufen. Dieser bringt ihr das Pferdezeichnen bei. Aus Dank gestaltet Barbara eine Collage, die Salomon auf der Jagd zeigt. Für die Mähne des Pferdes verwendet sie ihr eigenes Haar.

Die Familie Landolt lädt Barbaras Familie zu sich ein. Salomon zeigt Barbara sein Atelier mit den Kunstwerken, an denen er gerade arbeitet. Barbara ist entsetzt: Die düsteren Landschaften, die Salomon malt, beunruhigen sie zutiefst. Sie erleidet einen hysterischen Anfall und flüchtet aus Salomons Atelier und dem Haus. Barbara ist nur bereit, Salomon zu heiraten, wenn sie beide ihrer Kunst abschwören. Salomon lehnt ab und bleibt alleine.


Salomon bezeichnet das Mädchen Aglaja, das einige Jahre ihrer Erziehung in Deutschland genossen hat und nun wieder zurückgekehrt ist, als «Amsel», da diese öfters unter einem Baum anzutreffen ist, auf dem eine Amsel singt. Aglaja lädt Salomon zum Weinlesefest ihrer Familie ein. Er besucht das Fest und findet Gefallen an Aglaja. Im Frühling reiten die beiden sogar mit ihren Pferden aus. Sie führen auch einen Briefwechsel und verabreden sich zu einem langen Waldspaziergang. Aglaja gesteht Salomon, dass sie sich in Deutschland in einen Geistlichen verliebt habe. Aglajas Eltern stehen ihrer Liebe zu diesem Prediger im Wege. Salomon gelingt es aber, zum Eheschluss zwischen Aglaja und dem Geistlichen zu vermitteln. Der Geistliche verstirbt aber schon bald darauf.


Salomon lädt die fünf Frauen auf den letzten Tag des Monats Mai ein. Die Köchin Marianne geht mit der unschuldigen Figura sehr liebevoll um. Die anderen vier Frauen behandelt sie weniger freundlich. Nach einem ausgedehnten Frühstück lädt Salomon die fünf Frauen dazu ein, einigen seiner anstehenden Gerichtsverhandlungen beizuwohnen. Salomon schlichtet zahlreiche Ehestreitigkeiten und fällt seine üblichen – im doppelten Sinne – «salomonischen» Urteile, ohne sich dabei zu bereichern.

Nach diesen Gerichtsverhandlungen und dem Mittagessen bittet Salomon seine fünf Gäste, über ihn Gericht zu halten. Er habe beschlossen zu heiraten, die fünf Geschworenen müssen nun darüber entscheiden, wen er heiraten soll. Zur Auswahl steht neben der Köchin Marianne auch ein als Mädchen verkleideter Bursche, der den Damen den ganzen Tag das Essen serviert hat. Die Damen entscheiden sich schliesslich zu Gunsten der «jungen Dame». Salomon löst das Spiel auf, man amüsiert sich köstlich darüber.

Salomon bleibt für den Rest seines Lebens ledig und stirbt in hohem Alter alleine, aber zufrieden.


Nach der Abschrift der Salomon-Landolt-Biographie verzichtet Jacques nun darauf, selber auch ein Original zu werden. Dieses Unterfangen führe schliesslich zu einem viel zu grossen Aufwand – und zu fünf Körben. Jacques fördert aberweiterhin die Künste als Mäzen und reist auf seiner Hochzeitsreise – Jacques hat im Gegensatz zu Landolt geheiratet – nach Rom, wo er einen von ihm geförderten Künstler besucht. Dessen Arbeit, ein Faun (ein altrömischer Fruchtbarkeitsgott), kommt scheinbar schlecht voran, was Jacques enttäuscht. Der Künstler ist aber gerade Vater geworden und hat sogleich die Mutter seines Söhnchens geheiratet. Die Hochzeitsfeierlichkeiten dauern immer noch an. Der Künstler wählt Jacques als Paten für sein Söhnchen aus, was diesen milde stimmt und ihm Freude bereitet.

Das Fähnlein der sieben Aufrechten

Schneidermeister Kaspar Hediger («Chäpper»), ein Liberaler mittleren Alters, hält stets sein Jagdgewehr bereit, um auf Aristokraten und Jesuiten Jagd zu machen. Nicht mal seinem Sohn Karl, angehender Rekrut und Beamter auf der Regierungskanzlei, möchte er sein Gewehr geben. Karl benötigt die Waffe jedoch für den Militärdienst. Hediger will seinem Sohn das Gewehr nur überlassen, wenn er das Schloss auseinandernehmen und wieder erfolgreich zusammensetzen kann. Karl scheitert bereits bei der Demontage, sein Vater verwahrt die Einzelteile in einer Dose. Karl bekommt das Gewehr nicht. Seine Mutter hilft ihm: Hedigers Freund, der Zimmermeister Daniel Frymann, erwarte ihn. Hediger geht sofort zu ihm. Karls Mutter setzt nun das Gewehrschloss für Karl zusammen. Sie hat früher schon die Gewehre für ihre Brüder demontiert, gereinigt und neu zusammengesetzt und kann das immer noch. Als Karl am Abend vom Waffenplatz zurückkommt, ist Hediger immer noch bei Frymann. Karl demontiert das Gewehr und legt die Einzelteile zurück in die Dose. Hediger merkt nicht, dass Karl das Gewehr ausgeliehen hat.

Am selben Abend fährt der 20-jährige Karl mit dem Ruderboot auf den See, wo ihm Frymanns Tochter Hermine (17-jährig) mit ihrem Ruderboot entgegenkommt. Die beiden sind seit ihrer Kindheit befreundet. Frymann, der seit fünf Jahren verwitwet ist, steht ihrer Liebe aber im Wege. Hermine gehorcht ihrem Vater und wahrt Distanz im Verhältnis zu Karl.

Das «Fähnlein der sieben Aufrechten» trifft sich. Dazu gehören neben dem Schneidermeister Hediger und dem Zimmermeister Frymann, die als Wortführer in ihrem Verein gelten, auch der Silberschmied Rudolf Kuser («Ruedi»), der Eisenschmied Konrad Syfrig («Chüeri»), der Schreiner Heinrich Bürgi und die beiden Wirte Leonhard Pfister («Lienert») und Felix Erismann. Ihr «Fähnlein» ist ein Verein stramm liberaler Parteisoldaten, der Hass auf Aristokraten und «Pfaffen» ist ihnen gemein. Sie treffen sich zweimal wöchentlich abwechselnd bei einem der beiden Wirte.

Man beschliesst, das eidgenössische Schützenfest in Aarau des Jahres 1849 zu besuchen. Als Geschenk soll eine Fahne dargebracht werden, die jedoch nicht zu pompös ausfallen darf. Zudem möchten sie auch einen Sachpreis für den Gabentempel stiften. Die einzelnen Mitglieder machen folgende Vorschläge: Der Silberschmied Kuser bietet einen Silberbecher, der schon lange bei ihm steht; der Eisenschmied Syfrig hat einen Pflug, den er nicht verkaufen kann; der Schreiner Bürgi bietet ein Himmelbett an, das er für ein Brautpaar gezimmert hat, das er aber aufgrund der nicht geschlossenen Ehe nicht veräussern konnte; der Wirt Pfister bietet ein Fass des Rotweins «Schweizerblut», das in seinem Keller lagert; und der Wirt Erismann bietet seine (störrische) Milchkuh.

Hediger zerzaust all diese Vorschläge, da sie allesamt von Eigennutz geprägt sind – schliesslich sollen die Mitglieder des Fähnleins doch dem «Gönner» die Gabe abkaufen. Es wird beschlossen, dass Silberschmied Kuser einen neuen Silberbecher für das Schützenfest schmieden soll.

Nach dieser Debatte spricht Frymann die Schwärmerei Karl Hedigers für seine Tochter Hermine an. Er möchte Karl nicht als Schwiegersohn, da dies das Verhältnis zu Hediger verkomplizieren würde. Ausserdem will Frymann zur Verwaltung seines Besitzes einen Geschäftsmann als Erben, und nicht einen Beamten wie Karl. Hediger ist einverstanden, es soll keine Schwägerschaft zwischen den beiden geben.

Zu Hause am Mittagstisch verkündet Hediger diesen Beschluss. Seine Frau ist nicht einverstanden, man solle Karl doch schliesslich nicht den Reichtum verwehren. Hediger sieht aber im Reichtum eine Gefahr, dies würde zu Ungleichheit mit Karls Brüdern führen. Als Karl nach dem Mittagessen auf den See fährt, taucht Hermine nicht mehr auf. Sie wird Karl, wie angekündigt, für vier Wochen nicht mehr treffen.

In der Rekrutenschule lernt Karl den Buchbinder Ruckstuhl kennen. Dieser arbeitet kaum, sondern lebt von seinen Mieteinkünften und Hausverkäufen, deren Erträge er oft durch unlautere Methoden zu steigern versucht. Ruckstuhl ist unter den Rekruten unbeliebt, nur der Mitläufer Spörri verbringt Zeit mit ihm und dies auch nur, weil Ruckstuhl ihn zum Essen und Zechen einlädt. Spörri putzt gegen Entgelt sogar Ruckstuhls Gewehr. Ruckstuhl verkündet, dass er Hermine Frymann heiraten werde.

Als Karl nach der verstrichenen Frist von vier Wochen sich wieder mit dem Boot zu Hermine aufmacht, erscheint diese nicht. Das Boot der Frymanns liegt umgedreht am Ufer– es wurde gerade frisch gestrichen. Doch Hermine kommt zu Karl ins Boot und erzählt ihm, dass der Freier Ruckstuhl bei Frymanns eingeladen sei. Ihr Vater hätte ihn gerne als Erben, da er sich mit Gebäudespekulation auskenne. Doch Hermine hat einen Plan: Karl soll Ruckstuhl in der Kaserne zu einer Dummheit verführen, sodass dieser unter Arrest gestellt werde und dem Mittagessen bei Frymanns fernbleibe.

Karl folgt Hermines Plan. Im Schlafraum der Kaserne stiftet er eine wilde Zecherei an. Ausgerechnet Ruckstuhl und Spörri scheitern bei einem Trinkspiel an ihrer Aufgabe und müssen zur Strafe in Unterwäsche Wache vor dem Schlafraum halten. Ein Offizier erwischt die beiden. Ruckstuhl versucht diesen zunächst zu erpressen, schuldet ihm doch der Offizier noch Mietzins. Der Offizier bleibt aber hart – Ruckstuhl und Spörri werden unter Arrest gestellt. Am nächsten Tag erscheint Ruckstuhl nicht bei Frymann zum Mittagessen. Karl erzählt seiner Mutter, was sich in der Kaserne zugetragen habe. Über sie erfährt dann auch Frymann von Ruckstuhls Arrest. Frymann ist verärgert: Ruckstuhl scheidet somit als Freier für Hermine aus.

Das Schützenfest steht an. Die sieben Aufrechten erfahren, dass zu jeder dargebotenen Fahne eine Rede gehalten werden muss. Doch keiner der sieben Männer, auch nicht die Wortführer Hediger und Frymann, wollen eine Rede halten. Man lässt das Los entscheiden: Frymann muss die Rede halten. Das Schreiben einer Rede will ihm aber nicht gelingen. Als Hermine das Manuskript durchliest, entpuppt sich die Rede als plumpe Hasstirade gegen Jesuiten und Aristokraten. Frymann ändert seine Rede ab.

Am Schützenfest bekommt Frymann es dann aber wieder mit der Angst zu tun. Er verweigert es, die Rede zu halten. Ohne Rede kann keine Fahne dargebracht werden, die sieben Aufrechten sind enttäuscht, ihre Anreise war vergebens. Doch nun tritt der angehende Scharfschütze Karl zu den sieben Aufrechten. Er wolle die Rede für sie halten. Hediger ist zwar skeptisch, die anderen sechs Männer sind aber von der Idee begeistert. Karl hält eine flammende Rede. Das Publikum applaudiert, die sieben Aufrechten sind begeistert. Beim Schiessen trifft Karl sämtliche seiner 25 Schüsse und gewinnt einen Pokal. Im Festzelt besiegt er sogar einen «Entlibucher» beim Fingerhakeln. Die sieben Aufrechten sind sich einig: Karl soll ihr achtes Mitglied werden. Auch Frymann ist von Karl beeindruckt. Er einigt sich mit Hediger, dass Karl Hermine doch heiraten darf. Die beiden sollen das Himmelbett von Schreiner Bürgi bekommen, in welches der Wirt Pfister sein Fass «Schweizerblut» hineinlegen möchte.

Ursula

I

Als der Reisläufer Hansli Gyr im Jahre 1523 von seinem Kriegsdienst in Italien zurückkehrt, ist seine Heimatstadt Zürich bereits evangelisch. Hansli jedoch hat für den Kirchenstaat – also für die Katholiken – gegen Frankreich gekämpft. Auf dem Heimweg konfrontiert ihn in einer Rapperswyler Taverne ein Schwyzer Söldner mit der Reformation in Zürich. Mit der Reformation soll angeblich auch das Reislaufen verboten werden, was die Söldner um ihre Beschäftigung brächte.

Hanslis Eltern sind bereits verstorben, er lebt alleine auf seinem Hof. Während seiner Abwesenheit hat sich der Nachbar um seine Wirtschaft gekümmert. Bei Hanslis Ankunft wartet Ursula, die Tochter seines Nachbarn. Sie empfängt Hansli mit Herzlichkeit in seinem eigenen Haus und sorgt für ihn wie eine Ehefrau. Hansli möchte Ursula heiraten, doch diese meint, dass die formelle Hochzeit mit der Reformation nicht mehr nötig sei. Hansli besteht darauf, bei Ursulas Eltern um ihre Hand anzuhalten. Gleich am nächsten Tag will er ihren Vater aufsuchen.

Ursulas Vater, Enoch Schnurrenberger, ein grimmiger Possenreisser, hat Besuch: In der Stube werden vier, fünf Wanderprediger bewirtet. Unter ihnen befinden sich auch der Kalte Wirz, der Schuster und Schulmeister Schneck von Agasul und Jakob Rosenstil. Zunächst wird wild gepredigt, danach wird mit wunderlichen Karten – Blätter mit Affen, Katzen und Dämonen als Motive – gespielt. Hansli wird das Treiben zu bunt, er geht nach Hause.

II

Hansli möchte sich in Zürich ein Bild über die Reformation machen und sich Rat holen, wie es zwischen ihm und Ursula weitergehen soll. Enoch stattet ihm einen Besuch ab. Hansli bittet Enoch, noch einmal für ein paar Tage auf seinen Hof aufzupassen. Dieser willigt ein, möchte den Hof aber günstig abkaufen – wenn das tausendjährige Reich komme, werde sein Besitz eh wertlos. Hansli ahnt einen Trick und lehnt den Verkauf ab. Vor seiner Abreise geht Hansli bei Ursula vorbei und schenkt ihr einen Goldring. Diese will ihn nicht tragen, da Hansli sich nicht dem neuen Glauben anschliessen will.

In Zürich herrscht unter den Söldnern Uneinigkeit darüber, ob man dem Reislaufverbot Folge leisten soll. Hansli plädiert dafür, die Rechtsordnung zu respektieren und keine Söldnerdienste mehr zu leisten. Huldrych Zwingli, der auch zugegen ist, hört Hanslis Rede und klopft ihm für seine Haltung auf die Schulter. Auch der Kalte Wirz ist zugegen. Hansli verweilt noch einige Zeit in Zürich und schliesst sich Zwingli an.

III

Die Reformation lehnt Kunstwerke in den Kirchen strikt ab. Sämtliche Gemälde, Statuen und Schätze werden aus den Kirchen entfernt und in einen alten Ritterturm gebracht. Die Prachtsgewänder werden verkauft. Der Schneck von Agasul kauft sich ein Priestergewand. Hansli ergattert einen kunstvoll gefertigten Wandteppich, als Geschenk für Ursula.

Der Schneck von Agasul überrascht Ursula, die mit der Heuernte auf Hanslis Wiese beschäftigt ist. Er will sie an sich reissen. Sie wehrt ihn ab und zerreist ihm dabei seinen gerade gekauften Talar. Auch Rosenstil versucht es bei Ursula. Sie wehrt in ebenfalls ab. Auf der Wiese bei Hanslis Haus soll bald eine verbotene Wiedertaufe stattfinden. Die Leute versammeln sich für das Ritual, doch kommt das Gerücht auf, der Landvogt von Grünigen – der bloss auf der Jagd ist – wolle die Versammlung gewaltsam auflösen. Die Wiedertäufer fliehen in die Wälder.

Als Hansli zu seinem Hof zurückkehrt, hält Ursula ihn für den Erzengel Gabriel und glaubt, dass sie mit ihm verheiratet sei. Sie weiss jedoch auch um die Existenz des Hansli und ist völlig verwirrt. Die Familie Schnurrenberger lebt ihren religiösen Wahn weiter aus, bis sie eines Tages bei einer Wiedertaufe verhaftet wird. Die Wiedertäufer werden nach Zürich geführt. Dort werden sie in einen Turm gesperrt und sollen darin so lange hungern, bis sie ihrem Glauben abschwören oder sterben. Hansli möchte Ursula retten und befreit die Gefangenen. Diese halten ihre Befreiung für ein Wunder Gottes und schwärmen aus, um ihren Glauben zu verbreiten. Ursula verschwindet, Hansli verkauft seinen Hof.

IV

Im Jahre 1529 nimmt Hansli aufseiten der Zürcher am ersten Kappelerkrieg teil. Das Soldatenlager der Reformierten zeichnet sich durch Disziplin und Askese aus: kein Alkohol, keine Frauen, kein Spiel, keine Plünderungen – nur Ordnung. Nach dem ersten Kappelerkrieg geht man militärisch gegen den Herzog von Mailand vor. Karl setzt auf diesem Feldzug dieselbe protestantische Ordnung bei den Soldaten durch.

Bei einem gemütlichen Umtrunk in Italien findet Hansli Gefallen an der Dame, die ihm Wein serviert. Es handelt sich um die Freska von Bergamo. Hansli erkennt, dass diese den gleichen Goldring trägt, wie er ihn auch Ursula geschenkt hat. Freska sei verlobt, ihr Verlobter sitze aber wegen Totschlags lebenslänglich hinter Gittern. Sie wolle aber dennoch an ihm festhalten. Hansli macht sich nun Vorwürfe: Er hat seine Ursula vergessen, während Freska zu ihrem Verlobten steht. Nach dem Feldzug kehrt Hansli in das nun durch und durch reformierte Zürich zurück.

V

Im Jahre 1531 steht der zweite Kappelerkrieg bevor. Familie Schnurrenberger hält sich wieder auf ihrem Hofe auf, die Wiedertäufer werden nun geduldet. Er und die Propheten Schneck, Rosenstil und Wirz benehmen sich nun wie kleine Kinder. Von seinem neuen Nachbar – er hat Hanslis Hof gekauft – erfährt Schnurrenberger, dass Krieg anstehe und dass er sich dem Heer von Hansli Gyr anschliessen wolle. Ursula erfährt dies und folgt den Soldaten heimlich, um Hansli wieder zu sehen.

Ursula findet Hansli tatsächlich und hält ihn auch nicht mehr für den Erzengel Gabriel. Bei der Schlacht gerät sie zwischen die Fronten, kann sich aber in einem hohlen Baum verstecken. Die Reformierten unterliegen in der Schlacht. Unter den Gefallenen ist auch Huldrych Zwingli. Hansli liegt bewusstlos in einem Graben. Ursula bringt ihn in ein Kloster, wo er wieder gesund wird. Ursula heiratet Hansli schliesslich. Ihre Eltern sterben bald und das junge Ehepaar übernimmt den Hof der Schnurrenbergers, der fortan «Gyrhof» genannt wird.

Quelle

Gottfried Keller: Stuttgart: Reclam (2009). ISBN-13: 978-3-15-006180-0