Albert Camus: Die Pest

Zusammenfassung

Patrick Bucher
26. August 2011

Albert Camus’ Chronik Die Pest spielt in der algerischen Stadt Oran in den 1940er-Jahren. Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive des Arztes Dr. Bernard Rieux, der sich zum Schluss der Chronik als deren Erzähler zu erkennen gibt, und den Tagebuchaufzeichnungen Jean Tarrous geschildert.

Teil I

Die Hafen- und Handelststadt Oran gilt gemeinhin als recht unansehlich. Die Einwohner gehen tagtäglich ihren Geschäften nach, denn sie wollen schnell viel Geld verdienen. Ihre Freizeit verbringen sie mit einfachen Vergnügen: Kino, Baden, Sex.

Am Morgen des 16. Aprils findet Rieux vor seiner Praxistür eine tote Ratte. Der Concierge Monsieur Michel hält dies zunächst für einen üblen Streich, doch schon bald sind im ganzen Haus, sowie in der ganzen Stadt, haufenweise tote Ratten zu finden.

Rieux’ Frau ist schwer krank und fährt zur Kur. Bis sie wieder zurückkommt, soll sich Rieux’ Mutter um dessen Haushalt kümmern.

Rieux erhält Besuch von Raymond Rambert, einem französischen Journalisten. Dieser will für seine Zeitung eine Reportage über die hygienischen Bedingungen der Stadt schreiben. Rieux weist ihn auf das Problem mit den toten Ratten hin.

Rieux wendet sich an Monsieur Mercier, den kommunalen Abteilungsleiter für Rattenbekämpfung. Als sich das Rattenproblem verschlimmert, erteilt dessen Behörde die Anordnung, die Ratten jeweils bei Tagesanbruch einzusammeln, worauf sie zur Müllverbrennungsanlage gebracht und dort verbrannt werden sollen. Am 28. April erreicht das Rattensterben seinen Höhepunkt: 8’000 Kadaver werden an diesem Tag eingesammelt. Tags darauf tauchen nur noch einige wenige tote Ratten auf; die Stadt atmet auf.

Monsieur Michel fühlt sich unwohl und holt sich den Jesuitenpater Paneloux als Beistand. Rieux wird von Joseph Grand gerufen, einem seiner früheren Patienten. Grands Nachbar Monsieur Cottard hat sich bei einem misslungenen Selbstmordversuch verletzt. Rieux verabreicht ihm ein Medikament und will in ein paar Tagen erneut bei ihm vorbeischauen. Als Rieux zurückkehrt und nach Monsieur Michel schaut, hat dieser starkes Fieber und erbricht rosa Galle. Seine Lymphknoten sind stark angeschwollen. Tags darauf verschlimmert sich Monsieur Michels Zustand, sodass Rieux ihn für eine isolierte Spezialbehandlung ins Krankenhaus überführen lässt. Doch Monsieur Michel überlebt die Fahrt nicht.

Tarrou lebt seit einiger Zeit in Oran. Er bewohnt ein Hotelzimmer und pflegt Umgang mit spanischen Musikern und Tänzern. In der Strassenbahn erfährt Tarrou aus dem Gespräch zweier Männer, dass deren Bekannter Camps an einer Fieberkrankheit gestorben sei. In einer Wohnung auf der gegenüberliegenden Strassenseite von Tarrous Hotelzimmer wohnt ein grauhaariger alter Mann. Dieser tritt täglich auf den Balkon, um die Katzen unten auf der Strasse zu bespucken und freut sich jeweils sehr, wenn er dabei einen Treffer landet. Doch mit dem Auftauchen der toten Ratten verschwinden die Katzen von der Strasse. Der Alte gerät ausser Fassung, spuckt einmal ins Leere und kehrt wutentbrannt zurück in seine Wohnung.

Rieux wendet sich an seinen Kollegen Richard, einen der bekanntesten Ärzte der Stadt. Es stellt sich heraus, dass sich Fälle der tödlichen Krankheit mit den Symptomen, wie sie Monsieur Michel aufwies – geschwollene Lymphknoten, Fieber –, in der Stadt zu häufen beginnen. Rieux möchte zuerst die Laboruntersuchungen abwarten, doch sein Kollege Castel, der schon ähnliche Fälle in China und sogar in Paris beobachtet haben will, ist sich sicher, dass die Pest in Oran ausgebrochen ist. Obwohl die beobachteten Symptome genau auf das Krankheitsbild der Pest zutreffen, kann Rieux nicht so recht an eine bevorstehende Epidemie glauben, schliesslich läuft der Alltag in Oran genauso geschäftig ab wie immer.

Joseph Grand und Monsieur Cottard, der inzwischen von seinen Verletzungen genesen ist, statten Rieux einen Besuch ab. Grand, der im Auftrag der Stadtverwaltung statistische Informationen übermittelt, meldet Rieux, dass die Fieberkrankheit in den letzten 48 Stunden elf Opfer gefordert habe. Rieux denkt, dass der geschwächte Cottard im Falle einer Pestepidemie eine gute Überlebenschance habe, da der Pest gewöhnlich Leute mit einer starken Konstitution als erstes zum Opfer fallen.

Anlässlich der Fieberkrankheit beruft die Präfektur eine Gesundheitskommission ein, an der auch die Ärzte Rieux, Castel und Richard teilnehmen. Obwohl die Symptome und Laboruntersuchungen auf einen Pesterreger hinweisen, bezweifelt Richard, dass es sich um die Pest handelt. Er hält entsprechende Vorsichtsmassnahmen für übertrieben. Castel hingegen ist felsenfest davon überzeugt, dass in Oran die Pest ausgebrochen ist. Rieux will sich nicht darauf festlegen, ob es sich tatsächlich um die Pest handelt oder um eine andere Krankheit. Er hat jedoch bereits in Paris ein Serum gegen den Pesterreger bestellt, da dieses in Oran nicht vorrätig ist. Zudem fordert er, dass der Präfekt die zur Bekämpfung einer Pestepidemie notwendigen Massnahmen ergreift. Dazu braucht der Präfekt jedoch von den Ärzten die Bestätigung, dass es sich wirklich um die Pest handelt. Man einigt sich: Laborergebnisse hin oder her – mit der Krankheit ist so umzugehen, als sei es wirklich die Pest.

Auf diesen Beschluss reagiert die Stadt jedoch nur zögerlich. Die Stadtverwaltung lässt die Bekanntmachung der Vorsichtsmassnahmen nur an unauffälligen Ecken anbringen. Die Ratten in den Kanalisationen sollen mit Giftgas umgebracht werden. Die Todesfälle häufen sich und aus Paris erhält man vorderhand kein Serum.

Grand berichtet Rieux, dass sich Cottard seit seinem Selbstmordversuch merkwürdig benehme. Er sei äusserst höflich, selbst zur mürrischen Tabakwarenhändlerin. In Restaurants bezahlt er oftmals überrissene Trinkgelder. Grand vermutet, dass Cottard möglichst viele Menschen für sich gewinnen möchte. Manchmal sei Cottard auch launisch und benehme sich dann äusserst merkwürdig.

Radio und Zeitungen verbreiten derweil Gerüchte einer Cholera-Epidemie. Rieux hält die von der Präfektur getroffenen Massnahmen für unzulänglich. Tatsächlich ist die Quarantänestation des Krankenhauses schon nach drei Tagen überfüllt. Die Todesfälle häufen sich, das doch noch eingetroffene Serum ist schnell aufgebraucht. Die Stadt kündigt eine Verschärfung der Massnahmen an. Die Zahl der Todesfälle sinkt kurzzeitig, nimmt dann aber wieder sprunghaft zu. Der Präfekt erklärt den Pestzustand und entscheidet sich für die Schliessung der Stadt.

Teil II

Mit der Schliessung Orans werden die Stadtbewohner von denjenigen Angehörigen getrennt, die kurz zuvor verreist sind. Die Briefkorrespondenz nach aussen wird wegen Infektionsgefahr eingestellt. Die Telefonleitungen nach aussen brechen bald zusammen, sodass Ferngespräche nur noch in dringenden Fällen erlaubt werden. Die Stadtbewohner können nur noch über Telegramme Kontakt zur Aussenwelt aufnehmen, die Warteschlangen bei den Telegrafenämtern sind dementsprechend lang. Aussenstehenden ist es zwar erlaubt, nach Oran zurückzukehren, die Stadt dürfen sie jedoch dann nicht wieder verlassen. Die einsamen, da von manch ihrer Angehörigen getrennten Stadtbewohner leben ein Exil bei sich zu Hause. Jeder bleibt mit seinen Sorgen alleine. Das Wetter bestimmt den Gemütszustand der Oraner. Wenigstens rettet sie ihre Verzweiflung vor der Panik.

Die Stadtbewohner werfen den Behörden vor, unangemessen strenge Vorsichtsmassnahmen getroffen zu haben. Die Behörden reagieren mit der wöchentlichen Veröffentlichung der stets ansteigenden Sterberaten. Benzin und einige Lebensmittel werden rationiert, gewisse Arbeitsstellen vorübergehend geschlossen. Oran wird zur Fussgängerstadt. Die Stadtbewohner betrinken sich bald täglich in den Cafés, schliesslich wird dem Alkohol eine schützende Wirkung vor Infektionen nachgesagt.

Der Journalist Rambert möchte sich von Rieux eine Bescheinigung ausstellen lassen, dass er nicht mit dem Pesterreger infiziert sei, damit er die Stadt verlassen und zu seiner Frau nach Paris zurückkehren kann. Rieux verweigert dies, da er nicht für Ramberts Gesundheitszustand bürgen kann. Ausserdem würde ihm eine solche Bescheinigung kaum zur Ausreise verhelfen. Rambert beschuldigt Rieux, für die Schliessung der Stadt mitverantwortlich zu sein und bezichtigt ihn einer abstrakten Denkweise.

Die Angehörigen der Infizierten beginnen sich teilweise gegen deren Einlieferung ins Behelfskrankenhaus zu wehren. Sie scheinen lieber mit der Pest unter einem Dach leben zu wollen, als ihre Angehörigen von sich nehmen zu lassen. Schliesslich könnte eine solche Trennung endgültig sein. Die Ärzte werden bald von Begleitpersonen und gar von bewaffneten Sicherheitskräften begleitet, um die Einlieferung der Pestkranken durchsetzen zu können.

Als Mittel gegen die Pest veranstaltet die katholische Kirche eine Betwoche. Normalerweise nutzen die Oraner den Sonntagvormittag lieber für das Baden im Meer, doch jetzt, da der Hafen gesperrt ist, fällt diese Möglichkeit weg. Die Betwoche ist dementsprechend gut besucht. In der Kathedrale hält Pater Paneloux, der dem verstorbenen Concierge Monsieur Michel beigestanden ist, eine Predigt über die Pest. Gott strafe mit dieser Krankheit die Bösen. Gegen Gottes Wille hülfe keine menschliche Wissenschaft. Es genüge nicht, nur jeweils sonntags in die Kirche zu gehen, Gott wolle seine Gläubigen öfters sehen. Dies sei seine Art zu lieben.

Grand arbeitet derzeit, wie es Rieux bereits vermutet hat, an einem literarischen Werk. Die richtige Wortwahl bereite Grand Mühe, manchmal sässe er ganze Abende über seinem Manuskript, um nur ein einziges Wort zu finden. Bei sich zu Hause liest Grand seinem Besucher Rieux den Anfang seines Werkes vor. Die Geschichte handelt von einer Amazone, die an einem Maimorgen durch den Bois de Boulogne reitet. Grand malt sich aus, wie das Manuskript dereinst bei einem Verleger bewundernd aufgenommen werde.

Der Journalist Rambert versucht es zunächst weiterhin, eine Erlaubnis zum Verlassen der Stadt zu erhalten. Nach zahlreichen Besuchen auf verschiedenen Amststuben, die ihn seinem Ziel überhaupt nicht näher bringen, gibt er schliesslich auf. Er verbringt seine Tage in Cafés und im Wartesaal des nunmehr stillgelegten Bahnhofes. Dabei denkt er an seine Frau in Paris.

Im Juni kommt die sommerliche Hitze über Oran. Die Auswirkungen der Pest verschlimmern sich, sodass die Behörden bald täglich um die hundert Tote melden. Hunde und Katzen, die Flöhe übertragen könnten, werden von Spezialtrupps erschossen. Tarrous Nachbar, der früher gerne Katzen bespuckte, erscheint nicht mehr auf dem Balkon. Trotz Papiermangels wird eine neue Pestzeitung herausgegeben. Diese gibt vor, die Moral der Stadtbewohner stärken zu wollen, um so wirksamer gegen das Unheil kämpfen zu können, konzentriert sich aber schon bald auf die Veröffentlichung von Werbeanzeigen für Pestverhütungsmittel. Manchen Cafés gehen Kaffee und Zucker aus. Restaurants werben damit, dass bei ihnen das Essbesteck (zur Vermeidung von Infektionen) abgekocht werde. Die Stimmung in Oran wird gereizter. Einige Stadtbewohner tragen ihren Luxus offen zur Schau.

Zu Hause erzählt Rieux seiner Mutter vom Fortschreiten der Pestepidemie. Das neu angelieferte Serum ist weniger wirksam als die erste Lieferung. Zudem reicht der Impfstoff bei weitem nicht für jeden Stadtbewohner. Tarrou besucht Rieux und bietet ihm an, freiwillige Helfer zur Versorgung der Kranken aufzubieten. Schliesslich ist der Aufruf der Behörden zum Freiwilligendienst enttäuschend ausgefallen und vor der Einführung einer Zwangsverpflichtung (beispielsweise von Gefängnisinsassen) schrecken die Behörden zurück. Doch Tarrou habe viele Freunde, die gerne tatkräftig mithelfen würden und er selbst wolle sich auch engagieren. Rieux nimmt das Angebot dankend an und möchte Tarrous Vorschlag an die Präfektur weiterleiten. Er warnt Tarrou jedoch auch vor den Gefahren: Trotz Impfung stünden seine Überlebenschancen lediglich bei eins zu drei.

Castel beginnt damit, ein eigenes Serum herzustellen. Er verwendet dazu den leicht mutierten Pesterreger, der in Oran zu finden ist, und glaubt, damit ein wirkungsvolleres Serum herstellen zu können als das gelieferte, welches schliesslich auf der Basis eines herkömmlichen Pesterregers hergestellt ist.

Grand meldet sich freiwillig bei Tarrou und übernimmt nach Feierabend administrative Tätigkeiten bei Rieux. Seine berufliche Tätigkeit leidet unter seinem freiwilligen Engagement bei der Pestbekämpfung, was auch sein Chef ihm gegenüber bemerkt. Noch mehr als der Freiwilligendienst scheint ihn aber sein Manuskript zu beschäftigen.

Rambert, der es aufgegeben hat, auf legalem Weg aus der Stadt zu kommen, wendet sich an Cottard. Dieser hält sich mit dem Schwarzhandel geschmuggelter Zigaretten und minderwertigen Alkohols über Wasser und kennt entsprechende Seilschaften, die auch Leute aus der Stadt schleusen könnten. Cottards Kontakte führen Rambert nacheinander zu Garcià, zu Raoul und schliesslich zu Gonzalès. Letzterer steckt mit den beiden Stadtwächtern Marcel und Louis unter einer Decke. Die beiden sollen für eine Woche mit zwei Berufssoldaten das Westtor der Stadt bewachen. Rambert soll sich in der Nähe dieses Tors einquartieren und werde in einem günstigen Moment, sobald die beiden Berufssoldaten eine Pause in einer nahegelegenen Bar einlegen, abgeholt und für ein Entgelt von 10’000 Francs aus der Stadt geschleust werden. Doch Garcià, der Rambert in das geheime Quartier bringen soll, erscheint nicht zum entscheidenden Treffen. Rambert, der Cottards Adresse nicht kennt, lässt bei Rieux ein Treffen mit ihm organisieren. Auch Tarrou und Grand sind dabei anwesend.

Rieux und Tarrou wissen über Ramberts Fluchtpläne und Cottards illegale Umtriebe bescheid, wollen sich jedoch nicht in deren Angelegenheiten einmischen. Cottard gesteht, dass er sich wegen seiner anstehenden Verhaftung hat erhängen wollen. Die Pest sei der Polizei jedoch zuvorgekommen. Solange die Epidemie in Oran grassiert, hat er scheinbar nichts zu befürchten.

Rambert und Cottard erfahren von Garcià, dass die Behörden das Stadtviertel um das Westtor haben schliessen lassen, sodass Gonzalès nicht zum vereinbarten Treffen hat erscheinen können. Rambert macht mit Gonzalès einen neuen Termin aus, die beiden Wächter erscheinen jedoch nicht bei ihm. Rambert, der für seine Liebe flüchten und damit sein Leben aufs Spiel setzen will, erfährt von Tarrou, dass auch Rieux derzeit durch die Pest von seiner Frau getrennt sei. Am Morgen nach der geplatzten Verabredung mit den Wächtern meldet sich Rambert bei Rieux. Er möchte sich als freiwilliger Helfer engagieren, zumindest so lange, bis er eine Möglichkeit zum Verlassen der Stadt findet.

Teil III

Seit August zieht ein starker Wind über Oran, der den eingetrockneten Staub von den Strassen aufwirbelt und, so glauben es zumindest einige Oraner, die Pest von den Vororten verstärkt ins Zentrum trägt. Einzelne Viertel werden bald isoliert. Vereinzelte aus der Quarantäne zurückkehrende Patienten zünden ihre Häuser an, weil sie glauben, so den Pesterreger austreiben zu können. Durch den Wind werden solche Brände zur Bedrohung ganzer Viertel. Die Stadttore werden von vereinzelten bewaffneten Gruppen angegriffen, deren Niederschlagung in der Stadt einen revolutionären Funken entfacht und zu vereinzelten Plünderungen führt. Schliesslich verhängen die Behörden eine Ausgangssperre ab elf Uhr nachts.

Als die Zahl der Pesttoten weiter steigt, werden die Beerdigungszeremonien abgekürzt und schliesslich ganz eingestellt. Da es zu wenige Särge und Leichentücher gibt, werden Männer und Frauen zuerst nach Geschlechtern getrennt, später aber gemeinsam in Massengräbern beerdigt. Dabei wird der Grubenboden vollständig mit Leichen bedeckt, worüber, jeweils getrennt durch eine Schicht ungelöschten Kalks und Erde, die nächste Schicht Leichen folgt. Als der Friedhof voll ist, werden die Familiengräber enteignet und deren sterblichen Überreste kremiert, was neuen Platz auf dem Friedhof schafft. Zum Höhepunkt der Pest wird der alte Verbrennungsofen ausserhalb der Stadt zur Verbrennung der Leichen wieder in Betrieb genommen. Die zuvor stillgelegte Strassenbahn transportiert die Pestkadaver quer durch die Stadt zu diesem provisorischen Krematorium. Totengräber und andere Hilfskräfte sterben trotz aller Vorsichtsmassnahmen reihenweise an der Pest, doch finden sich zu deren Ersatz genügend Arbeitslose zur Ausführung der verhältnismässig gut bezahlten Arbeit.

Tagsüber gehen die Stadtbewohner, die von ihren Angehörigen getrennt sind, ihren gewohnten Routinen nach. Nachts erinnern sie sich aber jeweils wieder an den Trennungszustand. Die Getrennten in der Stadt ähneln sich alle äusserlich und in ihrem Benehmen: Sie schöpfen aus sorglos zusammengestellten Radio- und Zeitungsberichten Hoffnung auf ein baldiges Ende der Seuche und kümmern sich bald nicht mehr um die Qualität ihrer Kleidung und Nahrungsmittel.

Teil IV

Im September und Oktober wechseln sich in Oran Hitze, Regen und Nebel ab. Tarrou leitet die Quarantänestation, die in seinem Hotel eingerichtet worden ist und lebt bei Rieux. Die völlig überarbeiteten Pesthelfer um Rieux werden aus Müdigkeit von einer Gleichgültigkeit befallen. Sie verfolgen die Nachrichten über die Pest nicht mehr und werden auch nachlässig was die Vorsichtsmassnahmen betrifft. Rieux erhält von seiner Frau beruhigende Telegramme, vom Chefarzt der Kuranstalt erfährt er jedoch von einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands. Rieux sieht seine Aufgabe nicht mehr darin Leben zu retten, sondern zu diagnostizieren und die Isolation anzuordnen.

Cottard, der zur Fahndung ausgeschrieben ist und einen Selbstmordversuch hinter sich hat, ist davon überzeugt, nicht an der Pest erkranken zu können, da sich Krankheit und Unheil schliesslich nicht anhäufen liessen. In Zeiten der Pest gäbe es keine Verbrechen und Schuldigen mehr, sondern nur noch Verurteilte. Tarrou und Cottard gehen oft abends gemeinsam aus. Sie beobachten, dass in einer Zeit, in der die alltäglichen Güter knapp sind, umso verschwenderisch mit Luxusgütern umgegangen wird.

Rambert trifft sich mit Gonzalès und den beiden Torwächtern. Der Untersuchungsrichter Monsieur Othon warnt Rieux, dass sich sein Bekannter Rambert besser nicht in Schmugglerkreisen aufhalten sollte. Rieux gibt Rambert diese Warnung weiter und rät ihm, sich mit seiner Flucht besser zu beeilen. Bald darauf wird Rambert bei den Wächtern einquartiert. Doch am Nachmittag vor dem geplanten Fluchtversuch entscheidet sich Rambert dazu, doch in Oran zu bleiben. Er würde sich schämen wegzugehen, so teilt er es Rieux mit, und diese Scham würde ihn in der Liebe zu seiner Frau stören. Er gehöre nach Oran, denn die Geschichte mit der Pest ginge sie alle an. Er lässt den Fluchtversuch platzen und hilft weiterhin Rieux und seinen Männern.

Philippe, der Sohn des Untersuchungsrichters Othon, erkrankt an der Pest. Er wird in das Behelfskrankenhaus eingeliefert, die anderen Familienmitglieder kommen getrennt unter Quarantäne. Der Fall des Kindes scheint hoffnungslos zu sein, sodass man Castels Serum an ihm ausprobiert. Philippe hält das Endstadium der Krankheit zwar erstaunlich lange und unter grossen Qualen aus, stirbt aber dennoch. Paneloux und Rieux geraten aneinander: Der Pater sieht im Tod des Kindes Gnade, Rieux verweigert seine Liebe jedoch einer Schöpfung, in der Kinder derart gemartert werden.

Der Tod des Kindes ruft bei Paneloux eine Veränderung hervor. Er verfasst ein Traktat zum Thema «Darf ein Priester einen Arzt konsultieren?» und will einige Ansichten daraus an einer Predigt darlegen. Da die Oraner einem Aberglauben verfallen sind und lieber Prophezeiungen in den Zeitungen lesen als die Kirche zu besuchen, ist Paneloux Predigt schlechter besucht als seine frühere Predigt anlässlich der Betwoche. Im Gegensatz zu damals verwendet er nicht mehr das Wort «sie», sondern «wir». Man solle nicht versuchen, die Pest zu erklären, sondern aus ihr zu lernen. Es bliebe einem nur noch die Wahl alles zu glauben oder aber alles zu leugnen. Vor der Pest gäbe es keine Zuflucht mehr und jeder müsse sie jetzt ertragen. Vor der Kirche meint ein alter Priester, Paneloux’ Predigt zeuge mehr von Beunruhigung als von Kraft. Es sei ein Widerspruch, wenn ein Priester einen Arzt zu Rate zöge. Tarrou sieht in Paneloux’ Predigt jedoch die Bekenntnis, zum Äussersten gehen zu wollen.

Der Verlauf der Epidemie nötigt Paneloux zum Umzug. Er findet Quartier bei einer alten Dame, die regelmässig die Kirche besucht. Kurz darauf erkrankt Paneloux, möchte aber nicht von einem Arzt untersucht werden. Als sich sein Zustand am folgenden Tag nicht bessert, wird Rieux gerufen. Er kann bei Paneloux zwar keine der Hauptsymptome der Beulen- oder der Lungenpest feststellen, lässt ihn aber dennoch ins Krankenhaus einliefern. Dort verlangt Paneloux nach seinem Kruzifix, das er nicht mehr loslässt. In der darauffolgenden Nacht erliegt Paneloux seiner Krankheit.

An Allerheiligen wird kaum der Toten gedacht, schliesslich sind die Oraner sonst schon jeden Tag mit dem Tod konfrontiert. Das Wetter wird regnerisch und viele Oraner tragen Gummistoffe, durch welche sie sich nicht nur Schutz vom Regen, sondern auch von der Pest erhoffen. Die Zahl der Pesttoten pendelt sich auf einem hohen Niveau ein und der Arzt Richard, der im Frühling nichts von einer Epidemie hat wissen wollen, glaubt, dass die Kurve ihr Plateau erreicht habe und folglich nicht mehr ansteigen, sondern nur noch sinken werde. Bald darauf stirbt Richard selber an der Pest. Castels Serum entfaltet in einigen Fällen eine überraschend gute Wirkung. Die Fälle der Beulenpest nehmen insgesamt ab, dafür tauchen vermehrt Fälle der noch viel ansteckenderen Lungenpest auf. Spekulanten treiben die Preise der Grundnahrungsmittel nach oben, was einige Unruhen auslöst und bei ärmeren Leuten vermehrt Fluchtgedanken weckt.

Das Stadion, sowie die meisten öffentlichen Gebäude der Stadt, die Präfektur ausgenommen, werden zu Pestlagern umfunktioniert. Gonzalès, der vor der Epidemie oftmals im Stadtion Fussball gespielt hat, leitet dort schichtweise die Überwachung des Quarantänelagers. Tarrou und Rambert besuchen ihn bei seiner Arbeit und treffen dort auch Monsieur Othon an. Er bedankt sich bei Tarrou für die Hilfe, die er seinem Sohn Philippe geleistet hat und drückt seine Hoffnung aus, dass sein Sohn nicht allzu stark gelitten hat. Tarrou antwortet, dass Philippe wirklich nicht gelitten habe.

Tarrou begleitet Rieux auf die Visite zu einem alten Asthmatiker. Dieser weist die beiden auf eine schöne Terasse über seiner Wohnung hin, zu der Rieux und Tarrou nach der Visite hochsteigen. Dort erzählt Tarrou Rieux von seiner Geschichte:

Sein Vater war Oberstaatsanwalt. Als Jean Tarrou 17 Jahre alt war, nahm ihn sein Vater mit an eine Gerichtsverhandlung. Sein Vater forderte für den Angeklagten die Todesstrafe, doch Tarrou sah in diesem ein lebendiges Wesen. Der Angeklagte wurde zum Tode verurteilt, Tarrous Vater habe der Urteilsvollstreckung beigewohnt. Daraufhin fing Tarrou an, sich mit der Todesstrafe zu beschäftigen. Mit 18 Jahren riss er von zu Hause aus und drohte seinem Vater sich umzubringen, falls er ihn zwänge, zur Familie zurückzukehren. Tarrou glaubte, dass die Gesellschaft, in der er lebte, auf dem Todesurteil gegründet war. Seit dem Tag, als er in Ungarn eine Hinrichtung sah, habe er nicht mehr gut schlafen können. Er habe sich dazu beschlossen, alles abzulehnen, was tötet oder was das Töten zu rechtfertigen versucht. Auf der Erde gäbe es Plagen und Opfer, und man müsse sich so weit wie möglich weigern, aufseiten der Plage zu stehen. Die Menschen seien verpestet, was zwar anstrengend sei, doch sei es noch wesentlich anstrengender, nicht verpestet sein zu wollen. Neben Opfer und Plagen gäbe es jedoch noch eine dritte Kategorie: diejenige der wahren Ärzte. Tarrou suche nach dieser Kategorie – und somit auch nach dem Frieden. Das Mitgefühl sei der einzige Weg dorthin.

Nach diesem Gespräch nehmen die beiden eine Schiesserei an einem der Stadttore wahr. Sie beschliessen, mit dem Passierschein ans Meer zu gelangen, wo sie dann verbotenerweise und als Akt der Freundschaft ein Bad nehmen.

Die kalten Temperaturen im Dezember vermögen die Pest nicht einzudämmen. Monsieur Othon, der irrtümlicherweise zu lange im Quarantänelager festgehalten worden ist, möchte sich als Freiwilliger in der Lagerverwaltung melden. Rambert vereinbart mit den Wachposten ein geheimes System für den Briefwechsel mit seiner Frau. Cottard wird durch seine illegalen Geschäfte reich. Die Stimmung in der Stadt zeugt kaum davon, dass das Weihnachtsfest bald ansteht.

Grand taucht nicht zu einem Treffen mit Rieux auf. Nach kurzer Suche und einem Hinweis Ramberts findet Rieux ihn weinend vor einem Schaufenster stehend. Er trauert ständig seiner Jugendliebe Jeanne nach und würde ihr am liebsten schreiben. Grand zeigt auch die Symptome der Lungenpest und soll, da er keine Angehörigen hat, bei Rieux zu Hause gepflegt werden. Dort verlangt er nach seinem Manuskript. Es umfasst mittlerweile 50 Seiten. Diese bestehen jedoch nur aus Variationen des ersten Satzes und einer kleinen Notiz für einen Brief an Jeanne. Auf Grands Anweisung hin verbrennt Rieux das Manuskript. Man verabreicht Grand das Serum, wodurch er zur Überraschung Rieux’ wieder gesund wird. Auch andere hoffnungslos scheinende Fälle können durch das Serum geheilt werden. In der Stadt werden seit April zum ersten mal wieder Ratten gesehen – dieses mal jedoch lebendige. Die Peststatistiken weisen eine rückläufige Zahl an Todesfällen aus.

Teil V

Die Oraner schöpfen zwar Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pest, machen sich jedoch keine Illusionen, dass die Epidemie von einem Tag auf den anderen verschwinden könnte. Eine lang andauernde Kälte im Januar und der Erfolg von Castels Serum lassen die Zahl der Pesttoten allmählich sinken. Andere Fälle, wie etwa derjenige Monsieur Othons, gehen überraschenderweise tödlich aus. Trotz der besseren Stimmung und der Aussicht auf ein baldiges Ende der Epidemie mehren sich die Fluchtversuche, die auch immer öfters gelingen. Obwohl die Versorgungslage weiterhin prekär bleibt, beginnen die Preise zu fallen. Am 25. Januar beurteilt die Präfektur die Pest als eingedämmt. Die Stadttore sollen jedoch erst nach einer Frist von zwei Wochen geöffnet werden. Die Vorsorgemassnahmen sollen für einen weiteren Monat bestehen bleiben. Auf der Strasse erblickt Tarrou die erste Katze seit dem Frühjahr.

Cottard sieht das sich abzeichnende Ende der Pest mit Sorge. Er holt Rieux’ Einschätzung über den weiteren Verlauf der Epidemie ein und verbreitet diese bei den Händlern in seiner Umgebung. Nach der Ankündigung der baldigen Öffnung der Stadttore erscheint Cottard kaum mehr in der Öffentlichkeit. Bei einem Spaziergang mit Tarrou äussert er die Hoffnung, dass man nach der Pest in der Stadt «wieder bei null anfangen» werde. Im Flur zu Cottards Wohnhaus wollen zwei Männer Erkundigungen über ihn einholen. Cottard ergreift sofort die Flucht.

Tarrou erkrankt an der Pest. Rieux und seine Mutter pflegen ihn abwechselnd bei sich zu Hause. Das Serum entfaltet seine Wirkung nicht und Tarrou erliegt seiner Krankheit. Rieux hat einen Freund verloren, mit dem er die Freundschaft nie richtig hat ausleben können. Er glaubt, dass Frieden für ihn selber nie mehr möglich sein werde. Bald darauf erhält er ein schon seit Tagen erwartetes Telegrammvon der Kuranstalt seiner Frau: Diese sei acht Tage vorher verstorben.

Im Februar werden die Stadttore wieder geöffnet. Die ein- und ausfahrenden Züge sind gleichermassen überfüllt. Für viele Menschen endet die Trennung von ihren Angehörigen, so auch für Rambert, der seine Frau wieder in die Arme schliessen kann. Die Genesenen führen die Neuankömmlinge an die Orte ihrer Leiden und zeigen ihnen die Spuren ihrer Geschichte. Die Stimmung in der Stadt ist ausgelassen. Es wird getanzt und gefeiert.

Rieux wird vor der Einbiegung zur Strasse von Cottards Wohnhaus von einer Polizeisperre aufgehalten; ein Verrückter schiesse in die Menge, und zwar aus dem Wohnhaus Cottards. Auch Grand, der im gleichen Haus wohnt, kommt vorbei und muss mit Rieux vor der Sperre warten. Der Schütze – es handelt sich um Cottard – erschiesst einen streunenden Hund und wird anschliessend mit zahlreichen Salven aus den Maschinenpistolen der Polizisten zur Aufgabe gezwungen. Unten auf der Strasse wird Cottard von den Polizisten verprügelt und festgenommen. Grand berichtet Rieux, dass er an Jeanne geschrieben und die Arbeit an seinem Manuskript wieder aufgenommen habe. Dieses mal wolle er im Anfangssatz die Adjektive weglassen.

Rieux besucht den alten Asthmatiker und steigt nach der Visite erneut auf die Terasse hoch. Im Gegensatz zu seinem früheren Besuch auf dieser Terasse mit Tarrou ist es unten am Meer nun lauter. Rieux, der sich als Verfasser der vorliegenden Chronik zu erkennen gibt, möchte mit seinem Bericht für die Pestkranken Zeugnis ablegen und festhalten, dass es an den Menschen mehr zu bewundern als zu verachten gäbe. Beim Wahrnehmen der Freudenschreie erinnert sich Rieux daran, dass der Pestbazillus nie ganz verschwindet und auch nach Jahrzehnten wieder seine todbringende Wirkung entfalten könnte.

Quelle

Albert Camus: Die Pest, Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag (2010). Sonderausgabe Januar 2010. Aus dem Französischen von Uli Aumüller. ISBN-13: 978-3-499-25307-2