Georg Büchner: Dantons Tod

Zusammenfassung

Patrick Bucher
22. August 2011

Erster Akt

In einem Klub treffen sich die Deputierten Georg Danton und Hérault-Séchelles mit einigen Damen. Danton unterhält sich mit seiner Gattin Julie über seine Liebe zu ihr. Hérault spielt mit einer Dame, wohl einer Grisette (gehobene Prostituierte, Freudenmädchen), Karten und macht dazu obszöne Gesten und Anspielungen. Die Deputierten Camille Desmoulins und Philippeau betreten den Klub und erzählen von der Guillotinierung einiger Hébertisten – eine radikale Splittergruppe der Jakobiner. Philippeau möchte das Blutvergiessen beendet sehen und befürwortet die Durchsetzung des Gnadenausschusses zur Wiederaufnahme der ausgestossenen Deputierten. Für Hérault ist die Revolution ins Stadium der Reorganisation gelangt: An die Stelle der Revolution soll ein Rechtsstaat treten. Camille fordert ein Staatswesen, das auf den Volkskörper zugeschnitten ist. Er erwartet von Danton, diesbezüglich einen Angriff auf den Konvent zu machen. Ohne weiter auf Camilles Forderung einzugehen, verlässt Danton den Klub und warnt die Anderen im Herausgehen davor, dass die Revolution noch nicht abgeschlossen, die Freiheit noch nicht errungen sei, und dass sie sich noch alle in Gefahr befänden.

Auf einer Gasse streitet sich der Souffleur Simon mit seiner Gattin. Er bezeichnet sie als Hure und ist dabei offenbar betrunken. Einige Bürger eilen herbei, um dem Weib zu helfen. Die gemeinsame Tochter von Simon und seiner Gattin prostituiert sich scheinbar. Simon ist dagegen, doch seine Gattin macht ihn darauf aufmerksam, dass dies ihr einziges Einkommen sei. Sie selber habe ihr Geld auch mit der Prostitution verdient. Die herbeigeeilten Bürger verteidigen die Tochter, verurteilen aber deren Freier als Blutsauger und Diebe, die all ihren Besitz vom Volk geraubt hätten. Die Bürger beginnen gegen Aristokraten zu hetzen und gegen alle, die lesen und schreiben können oder ordentliche Kleidung tragen. Ein vorbeigehender junger Mann wird für einen Aristokraten gehalten, weil er sich die Nase mit einem Taschentuch putzt. Die Menge will ihn lynchen. Robespierre, ein Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, tritt herbei und gebietet dem Treiben Einhalt. Er fordert die blutrünstige Menge auf, mit ihm zum Jakobinerklub zu gehen, um dort ein Blutgericht über die Feinde des Volkes abzuhalten.

Im Jakobinerklub hetzt ein Lyoner gegen die Girondisten und Königstreuen in Lyon und fordert ein Blutbad in seiner Heimatstadt. Der Deputierte Legendre ergreift das Wort und diskreditiert das gehobene, gebildete Bürgertum. Er übt auch Kritik am Wohlfahrtsausschuss und unterstellt ihm, in der letzten Zeit nicht mehr mit ausreichender Konsequenz vorzugehen. Der Deputierte Collot d’Herbois unterbricht ihn und verteidigt den Wohlfahrtsausschuss vor dem Publikum, klagt jedoch Legendre und seine Gruppierung an, selbst Ursache für die von ihm beklagte lasche Haltung gegenüber potenziellen Revolutionsgegnern zu sein. Robespierre ergreift das Wort unter dem Jubel der Jakobiner. Er erklärt die Royalisten für Feinde der Republik und alle lasterhaften oder dem Luxus zugeneigten Bürger für politische Feinde der Freiheit. Die Menge spendet Robespierre für diese Rede Beifall. Der Präsident schliesst die Sitzung.

Auf einer Gasse spricht der Deputierte Lacroix Legendre auf seine Rede im Jakobinerklub an. Er wirft ihm vor, den Wohlfahrtsausschuss zu weiterem Blutvergiessen aufgewiegelt und die Gegenrevolution offiziell bekannt gemacht zu haben. Die beiden beschliessen, ins Palais Royal zu gehen, wo sie Danton vermuten.

In einem Zimmer erzählt die Grisette Marion Danton von ihrer Vergangenheit. Ihre Mutter bemühte sich um eine tugendhafte Erziehung und wollte alles Anstössige von ihrer Tochter fernhalten. Dennoch lud ihre Mutter regelmässig einen jungen Mann ein, der ein sexuelles Verhältnis zu Marion führte. Bei einem dieser Treffen verhielt sich der junge Mann merkwürdig und ertränkte sich anschliessend. Lacroix tritt mit den beiden Grisetten Rosalie und Adelaide ein und erzählt, wie sich Legendre beim Verkehr mit einer Prostituierten möglicherweise eine Geschlechtskrankheit geholt habe. Danton und Lacroix machen noch einige Anspielungen auf die Prostitution. Rosalie und Adelaide lassen die Beiden mit Marion alleine. Lacroix unterrichtet Danton über die Vorkommnisse im Jakobinerklub. Paris, ein Freund Dantons, tritt ein und erzählt, wie Robespierre ihm gegenüber seine harte Haltung in einem Zwiegespräch bestätigt habe. Lacroix warnt Danton davor, dass er – ungeachtet seiner grossen Popularität im Volke – gefährdet sei. Schliesslich gehöre Danton zu den untugendhaften Geniessern, gegen die Robespierre in jüngster Zeit hetzt. Besonders die beiden Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses St. Just und Barère können Danton und seinen Anhängern gefährlich werden. Danton kündigt an, Robespierre am nächsten Tag zur Rede stellen zu wollen.

Danton und sein Freund Paris suchen Robespierre auf. Danton fordert ihn dazu auf, weiteres Blutvergiessen zu unterlassen. Doch Robespierre hält an seinem Kurs fest, die Lasterhaften weiterhin zu verfolgen und die Tugend mit Schrecken durchzusetzen. Danton wirft ihm darauf vor, die Untugendhaftigkeit des Volkes mit der Guillotine reinwaschen zu wollen und dabei auch Unschuldige zu töten. Robespierre streitet letzteren Vorwurf ab, Danton und Paris entfernen sich. Im Selbstgespräch fasst Robespierre den Entschluss, dass Danton weg muss. St. Just kommt zu Robespierre und drängt ihn dazu, gegen Danton und seine Getreuen Lacroix, Hérault, Philippeau und Camille vorzugehen. St. Just ist entschlossen dazu, Danton und seine Anhänger auch ohne den Segen Robespierres auszuschalten. Robespierre willigt auf St. Justs Plan ein und möchte das Geschäft gleich am nächsten Tag erledigt haben.

Zweiter Akt

Camille fordert Danton dazu auf, im Konvent einen Angriff auf den Wohlfahrtsausschuss zu lancieren. Doch Danton zweifelt am Sinn dieses Unterfangens und glaubt, ja doch nichts ausrichten zu können. Er gibt sich lebensmüde und zeigt wenig Ambitionen, seine Gegner aufs Schafott zu führen. Philippeau warnt Danton davor, Frankreich seinen Henkern zu überlassen. Paris fordert Danton zur Flucht auf, was dessen Leidenschaft wieder entfacht. Danton macht sich mit Camille auf den Weg, Lacroix zweifelt jedoch an Dantons Entschlossenheit.

Auf einer Promenade berät Simon einen Bürger über die Namensgebung eines neugeborenen Knabens; ein Bettler unterhält sich mit einem Herrn über Arbeit und Geld; Rosalie schickt ihre Tochter Adelaide zu einer Gruppe Soldaten, um sie bei ihnen anschaffen zu lassen; andere Spaziergänger unterhalten sich über ein neues Theaterstück. Danton, der sich auch unter den Spazierenden befindet, wittert Unzucht in der Atmosphäre. Er dämpft jedoch Camilles Erwartungen bezüglich seines Vorstosses.

In einem Zimmer unterhält sich Danton mit Camille über die Unzulänglichkeit der Kunst, die Wirklichkeit abzubilden. Danton wird dabei herausgerufen. Als er zurück ins Zimmer tritt, teilt er Camille und dessen ebenfalls anwesender Gattin Lucile mit, dass der Wohlfahrtsausschuss ihn verhaften wolle. Danton bricht zu einem Spaziergang auf. Lucile fordert Camille dazu auf, bei Robespierre einzuschreiten, ist doch Camille einst in einem guten Verhältnis zu Robespierre gestanden. Camille bricht zu Robespierre auf.

Auf seinem Spaziergang macht sich Danton Gedanken über den Tod, der ihm zumindest ein sicheres Grab schaffen und ihn alles vergessen machen soll. Nachts träumt Danton, dass er die keuchende Erde wie ein wildes Pferd packt und mit ihr über einen Abgrund geschleift wird. Mit dem Ausruf «September!» erwacht er – und weckt dabei auch seine Frau Julie auf. Simon und einige Bürgersoldaten warten in der selben Nacht vor Dantons Haus. Simon warnt die Soldaten vor Dantons körperlicher Stärke. Dann dringen sie in das Haus ein, um Danton zu verhaften.

Tags darauf erfährt Legendre von der Verhaftung vierer Deputierter, darunter auch Danton. Legendre fordert den Nationalkonvent dazu auf, Danton als Angeklagten anzuhören, wie es ihm rechtlich zustünde. Die Deputierten diskutieren Legendres Antrag mit Eifer. Robespierre tritt vor den Konvent. Er unterstellt Legendre, zwar zu wissen, dass sich auch dessen Freund Lacroix unter den Verhafteten befinde, ihn aber nur darum nicht erwähnt habe, da Lacroix wesentlich weniger populär als Danton und deshalb schwieriger zu verteidigen sei. In einer weiteren Rede relativiert St. Just den Despotismus des Wohlfahrtsausschusses. Der Konvent bejubelt die Redner Robespierre und St. Just und stimmt zur Marseillaise an. Legendres Antrag ist damit vom Tisch.

Dritter Akt

In einem Gefangenensaal unterhalten sich die Deputierten Thomas Payne, Mercier und Hérault mit Chaumette, dem Procurator des Gemeinderates, über Gott und die Schöpfung. Payne beweist, dass es keinen Gott gäbe und somit auch, dass kein Gott die Schöpfung hätte vollbracht haben können. Jeder Schmerz und jedes erlittene Leid zeugten von der Unvollkommenheit der Schöpfung. Payne verneint auch die Existenz der Moral. Danton, Lacroix, Camille und Philippeau werden in den Saal zu den anderen Gefangenen geführt. Sie machen sich Gedanken über ihr nahendes Ende.

Der öffentliche Ankläger Foquier-Tinville wählt mit Herrmann, einem der beiden Präsidenten des Revolutionstribunals, die Geschworenen für die Verhandlung gegen Danton, dessen Mitstreiter und 15 andere Angeklagten so aus, dass garantiert alle Angeklagten schuldig gesprochen werden und auf der Guillotine landen. Im Gefängnis beschuldigt Mercier die Dantonisten, an der Errichtung der Schreckensherrschaft beteiligt gewesen zu sein. Danton gesteht seine Mitschuld ein. Vor dem Revolutionstribunal verteidigt sich Danton unter Beifall des Publikums gegen seine Anklage. Die Sitzung wird unterbrochen, doch Danton ist sich seines nahenden Endes bewusst.

In einem Kerker erhalten der General Dillon und Laflotte vom Gefängniswächter gegen ein Bestechungsgeld einen schriftlichen Bericht über den Verlauf von Dantons Gerichtsverhandlung. Die beiden sind schockiert über das Verfahren gegen Danton und dessen Mitstreiter. Sie wollen eine Verschwörung zur Befreiung der Dantonisten anführen, wozu auch Dantons Frau Julie beigezogen werden soll. Laflotte will den Schliesser des Gefängnisses dazu bringen, ihn und Dillon freizulassen.

Die Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses St. Just, Barère, Collot d’Herbois und Billaud-Varennes erhalten von Fouqier einen Bericht über den Stand von Dantons Gerichtsverhandlung. Danton wolle Mitglieder des Konvents und des Wohlfahrtsausschusses als Zeugen vorladen, dies werde ihm jedoch verweigert. Der Schliesser tritt ein und fordert einen Arzt für die Gefangenen, die im Gefängnis im Sterben lägen. Collot und Barère verweigern den Gefangenen diese Hilfe, da die Krankheit und der natürliche Tod den Aufwand für Gerichtsverhandlungen und Hinrichtungen einspare. St. Just wird herausgebeten und vor Dillons Verschwörung unterrichtet – Laflotte hat Dillon verraten. Nun will St. Just diesen Verschwörern zu Leibe rücken und wird dabei besonders von Collot unterstützt. Barère hingegen macht sich Gedanken über das ständig fortschreitende Morden im Namen der Revolution.

Auf der Conciergerie unterhalten sich die Dantonisten über ihr nahendes Ende. Danton gibt vor, am liebstem im Nichts versinken zu wollen, hadert aber gleichzeitig mit derGewissheit, dass aus Etwas (aus ihm) niemals Nichts werden könne.

Danton will vor dem Revolutionstribunal einen Angriff auf den Wohlfahrtsausschuss lancieren. Doch Amar und Vouland haben Fouqier über Dillons Verschwörung unterrichtet. Angesichts dieser Bedrohung wird das Revolutionstribunal dazu ermächtigt, unliebsame Angegklagte von den Verhandlungen auszuschliessen. Das Publikum stellt sich auf die Seite der Dantonisten. Vor dem Justizpalast macht ein Bürger Stimmung gegen Danton. Er beschuldigt ihn, sich an der Revolution bereichert zu haben. Das Volk ändert seine Meinung über Danton und schlägt sich auf die Seite Robespierres.

Vierter Akt

Julie glaubt, dass das Ende Dantons gekommen sei. Sie übergibt einem Knaben eine Locke von sich, die er Danton bringen soll. Dumas, der andere Präsident des Revolutionstribunals, erzählt einem Bürger, wie die Guillotine bald seine Ehe scheiden werde. Auf der Conciergerie fürchtet Camille um seine Frau Lucile. Danton sinniert derweil über die Sinnlosigkeit des Lebens im Angesicht des nahenden Todes.

Vor der Conciergerie machen sich die Fuhrleute bereit, um die Delinquenten für die Hinrichtung abzuholen. Lucile taucht unter dem Fenster von Camilles Zelle auf, um für ihren Mann zu singen. Danton glaubt, dass Robespierre binnen sechs Monaten auch hingerichtet werde. Er glaubt, dass die Revolution trotz seines Todes noch nicht ganz verloren sei. Camille fordert seine Mitgefangenen dazu auf, sich so kurz vor ihrem Tode nicht derart tugend- und heldenhaft zu geben. Schliesslich wüssten sie doch alle voneinander, wie untugendhaft sie in Wirklichkeit seien. Der Schliesser tritt ein, um die Delinquenten zu ihrer Hinrichtung abzuholen. Sie verabschieden sich voneinander. Julie begeht Selbstmord, indem sie sich vergiftet.

Die Dantonisten und der todkrankte Fabre werden zum Revolutionsplatz geführt. Lacroix geht voraus, Danton folgt ihm als Letzter. Lucile möchte den nahenden Tod ihres Gatten Camille nicht wahrhaben. Zwei vorbeigehende Weiber plaudern über die Hinrichtung Héraults. Auf dem Revolutionsplatz werden eben die letzten Delinquenten hingerichtet, als Lucile ankommt. Nach der letzten Enthauptung gibt sie sich mit dem Ausruf «Es lebe der König!» ihrem sicheren Tod hin. Sie wird von den Wachen abgeführt.

Quelle

Georg Büchner: Dantons Tod, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag (2007). ISBN-13: 978-518-18889-7